Berlin - Schon die grobe, graue Fassade des Hauses hat Wucht. Auch der Name beeindruckt, wenn man seine Geschichte kennt. Haus Cumberland am Kurfürstendamm 192/194 wurde nach Ernst August von Hannover benannt. Er trug auch den Titel des Duke of Cumberland. Die Rede ist von Ernst August dem Zweiten, 1845 bis 1923. Nicht von dem Ernst August von Prinzessin Caroline. Jedenfalls stockt einem fast der Atem, wenn man das „Grosz“ betritt, das heute im Cumberland eröffnet.

Acht Meter hohe Decken, cremefarbene Jugendstilsäulen, eine dunkle Holzbar, Marmorfußboden im Original, wie er im Quartier 206 nachgebaut wurde, eine Art Empore, ein Kamin, alte blinde Spiegel, zwei Speisesäle, hinter dem Buffet gibt es einen alten Paternoster, der Innenhof liegt zur Sonnenseite.

„Die richtige Mischung ergibt sich schon von selbst“

All das betreibt Roland Mary, der an einem Bistrotisch sitzt, in der Hand das Handy, und jedem zweiten Anrufer sagt: „Ich muss dich gleich zurückrufen.“ „Dauert es noch lange?“ „Noch eine Minute länger und wir können morgen nicht eröffnen.“ Aber Mary wirkt ganz gelassen.

Als er vor einem guten Jahr die Räume zum ersten Mal besichtigte, waren die Wände vergilbt und auf dem Boden lag Linoleum, aber Mary war sofort angetan. Ein Kaffeehaus wollte er, wie es in der Stadt so nicht mehr gibt – wie es Erich Kästner oder Kurt Tucholsky gefallen hätte. Geworden ist daraus das „Grosz“, denn wenn das Kaffeehaus schließt, braucht man ein Restaurant, danach eine Bar und am nächsten Morgen frische Croissants. Die werden nun von französischen Bäckern zweimal täglich gebacken.

Roland Mary gehört auch das „Borchardt“ in der Französischen Straße, das so etwas wie die Kantine der Republik ist und wo sich die Mächtigen und Schönen des Landes treffen. Er kennt sich aus mit Gesellschaft. Und wenn man Mary, der früher Kfz-Mechaniker war und davor Kommunarde, fragt, welches Publikum er im „Grosz“ erwartet, sagt er: „Alle, die hier im Umkreis wohnen. Die richtige Mischung ergibt sich schon von selbst.“

Geleitet wird das „Grosz“ von dem erfahrenen Barmann Thomas Pflanz, der sich allein schon über den Namen des Hauses freut. George Grosz, „der alte Trinker“, starb 1959 in der Wohnung seiner Eltern am Savignyplatz, nachdem er betrunken eine Treppe heruntergestürzt war. Der kleine Platz gegenüber vom „Grosz“ trägt seinen Namen. Pflanz erzählt jetzt kurz aus dem Leben des Malers Grosz und dessen Beziehung zu John Heartfield, und seiner eigenen Zeit als Chefredakteur einer Schülerzeitung und seiner Zeit im Kunstleistungskurs, soviel Zeit muss sein.

Nun fällt das Licht aus. Aber es geht auch kurz darauf wieder an. „Sieht es hier so aus, als sollte alles klappen?“, fragt Mary. „Ja, es sieht so aus“, antwortet er sich selbst. Heute Abend erwartet er 500 geladene Gäste zur Einweihungsparty.