Nach massiven Protesten von Anwohnern hat der Investor für das Kurfürstenzentrum jetzt umgeplant und ein neues Konzept vorgelegt. Demnach soll auf dem heutigen Parkplatz neben Möbel-Hübner an der Kurfürstenstraße/Ecke Genthiner Straße in Tiergarten ein neues Gebäude mit drei großen Supermärkten und Discountern im Erdgeschoss errichtet werden. Darüber gibt es nach den Vorstellungen von Investor Franz-Josef Glotzbach aber nicht mehr die ursprünglich geplanten drei Parkdecks, sondern nur noch eine Parketage mit etwa 120 Stellplätzen. Neu an dem Konzept ist zudem, dass in den folgenden drei Etagen sowie im Dachgeschoss insgesamt 80 Wohnungen vorgesehen sind.

Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) sieht in dem Konzept „deutliche qualitative Verbesserungen“. Vor allem deshalb, weil es weniger Parkplätze und dafür innerstädtisches Wohnen gebe. Positiv bewertet Spallek auch, dass im Erdgeschoss nicht nur die Supermärkte eingerichtet werden, sondern auch fünf kleine Geschäfte, deren Eingänge sich an den Straßen befinden.

Die ersten Planungen für das Kurfürstenzentrum hatten die Anwohner im Sommer scharf kritisiert. Denn auf drei Parkdecks sollte es etwa 350 Stellplätze für Autos geben. Die Anwohner hatten vor allem befürchtet, dass sich der nahe Straßenstrich an der Kurfürstenstraße dann auch auf das Parkhaus ausdehnt – Prostituierte und Freier könnten es für Sex nutzen. Eine Ausweitung des Straßenstrichs hatten Anwohner aus Tiergarten und dem Schöneberger Norden schon einmal befürchtet, als im ehemaligen Wegert-Haus an der Potsdamer-/Ecke Kurfürstenstraße ein sogenanntes Laufhaus mit 48 Zimmern für gewerblichen Sex entstehen sollte. Dort gibt es bereits ein Erotikkaufhaus. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg verweigerte damals die Genehmigung für das Laufhaus, eine Klage dagegen scheiterte 2010.

70 Quadratmeter Größe

Im Kurfürstenzentrum soll es nun normale Mietwohnungen geben. Sie werden durchschnittlich etwa 70 Quadratmeter groß sein. „Es entstehen kleine Wohnungen, die man aber bezahlen kann. Das ist uns wichtig“, sagt Baustadtrat Spallek. Dennoch werden diese Wohnungen nicht billig sein. Denn der Investor plant mit einer Miete von etwa neun Euro kalt je Quadratmeter. Spallek rechtfertigt den Preis: Er sei geringer als derzeit bei Neuvermietungen in der Innenstadt. Nach Angaben des Baustadtrats ist der Investor bereits im Gespräch mit einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft, die die Wohnungen dann in ihren Bestand übernehmen soll.

Ausschließlich den künftigen Mietern ist der Innenhof vorbehalten, der auf dem Parkdeck entstehen soll. Vorgesehen ist dort nicht nur eine kleine Parklandschaft mit Rasen und Sträuchern, sondern auch ein Spielplatz.

Eine Entscheidung zum neuen Konzept für das Kurfürstenzentrum ist aber noch nicht gefallen. Wie Spallek sagt, habe der Investor viele Bedenken aufgegriffen und das ursprüngliche Konzept, das nicht genehmigungsfähig war, überarbeitet. So wurde auch die Architektur der zuvor als „eintönig“ kritisierten Fassade geändert. Diese habe jetzt Vor- und Rücksprünge, das Parkdeck verschwinde hinter Glas, so Spallek. Diskutiert wird über das neue Konzept jetzt im Bezirksparlament. Ein Baubeginn für das Kurfürstenzentrum steht noch nicht fest.