Jamlitz - Nach der Schändung der Gedenkstätte am Standort des ehemaligen KZ-Außenlagers Jamlitz-Lieberose (Dahme-Spreewald) hat der Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen. Unbekannte hatten zwei Informationstafeln zerstört, eine wurde umgeworfen. Polizeisprecherin Ines Filohn sagte der Berliner Zeitung, ein rechtsextremer Hintergrund sei zu vermuten. Bisher habe die Polizei noch keine Anhaltspunkte.

10.000 Euro Schaden an Gedenkstätte Jamlitz

Die gläsernen Tafeln, die in der seit 2003 bestehenden Freiluftausstellung über jüdische KZ-Häftlinge und Massenerschießungen informierten, sind völlig zersplittert. Die Schrift ist nicht mehr lesbar, sagte Historiker Andreas Weigelt, der die Zerstörung am Mittwoch entdeckt hatte. Der Schaden betrage etwa 10.000 Euro. Der Anschlag erfolgte nur Tage, nachdem die Berliner Zeitung am 2. Mai an das kaum beachtete Todeslager erinnert hatte.

„Wir verurteilen den schändlichen Angriff auf die Ausstellung zur Geschichte dieses schlimmsten Außenlagers des KZ Sachsenhausen auf das Schärfste“, sagte Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten dieser Zeitung.

Die Ausstellung wurde zum ersten Mal geschändet, der 2009 eingeweihte jüdische Friedhof, wo die Gebeine von 577 Opfern von SS-Erschießungen gefunden worden waren, bereits zwei Mal. Morsch forderte eine Dauerüberwachung des Ortes, zum Beispiel durch Kameras. In der Gedenkstätte Todesmarsch Belower Wald hätten seit dem Anbau von Kameras die Schändungen aufgehört.

"Feiger Anschlag" auf Gedenkstätte Jamlitz

Peter Fischer, Beauftragter für Gedenkstätten seitens des Zentralrats der Juden, reagierte entsetzt. Dieser Zeitung sagte er: „Das geht über die üblichen Zerstörungen hinaus. Die Gesellschaft darf nicht wehrlos auf solche Attacken reagieren.“

Einen feigen Anschlag auf einen wichtigen Erinnerungsort nannte Stephan Breiding, Sprecher des Potsdamer Kulturministeriums, die Tat. Leider sei der Ort schwer zu sichern. Das Ministerium beteiligt sich in diesem Jahr zum ersten Mal an der Finanzierung des Gedenkortes. „Wir stellen dafür 12.000 Euro bereit“, sagte Breiding. Das Geld sei bereits bewilligt. „Das einzige richtige Signal ist und bleibt, dass der Schaden wieder so schnell wie möglich in Ordnung gebracht wird.“

Im KZ Jamlitz wurden 1944 bis 1945 Tausende jüdische Häftlinge durch Zwangsarbeit oder Erschießung ermordet. Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau kamen nach Jamlitz, Arbeitsunfähige wurden wieder nach Auschwitz deportiert. Bei der Evakuierung des Lagers vor Kriegsende kamen mehr als 2000 Häftlinge um.