Alles begann mit einem Projekt, das ihnen beiden nicht lag. Caroline Rohner und Inna Stein sollten ein Tailleur, also ein Kostüm, für ein Wiener Kaffeehaus entwerfen. Damals studierten sie im zweiten Semester Modedesign an der Kunsthochschule Weißensee. Für die Studentinnen, die sich beide mehr für textile Strukturen als für klassische Schnitte interessierten, war das eine nur schwer zu lösende Aufgabe. Vorher kannten sie sich kaum, aber dann begannen sie in der U-Bahn darüber zu diskutieren, wie sie denn nun das Kaffeehaus-Thema umsetzen könnten. „Uns war das alles zu glatt und zu gestrichen“, sagt Stein. „Dann haben wir beschlossen, etwas gemeinsam zu machen, auch um uns gegenseitig in unseren Vorstellungen zu bekräftigen.“

Verbindende Arbeitsweise

Rohner und Stein sitzen in ihrem Atelier in einem alten Kreuzberger Fabrikgebäude, als sie davon erzählen. „Danach haben wir nicht mehr damit aufgehört, zusammenzuarbeiten“, sagt Rohner. Nur einmal noch hätten sie es einzeln probiert. „Aber auch da haben wir uns die ganze Zeit darüber unterhalten“, setzt Stein Rohners Satz fort.

Was die Designerinnen verbindet, ist ihre Arbeitsweise: Beide finden ihre Inspiration in Bildern, vielen Bildern, die sie aus Reisen mitbringen oder ganz altmodisch in der Bibliothek recherchieren und sie lieben es mit Materialien zu experimentieren. Dass sie sich nach dem Abschluss 2013 selbstständig machen wollten und zwar zusammen, war schnell klar. Selbst als eine Agentin der Luxusmarke Louis Vuitton Kontakt zu ihnen aufnahm, überlegten sie nicht lange.

An der Wand ihres Studios hängt momentan das Moodboard, also so etwas wie das Zeichenbrett, ihrer aktuellen Kollektion, die sie am Donnerstag präsentieren werden. Steinrohner sind eines von vier Labels, die von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Forschung und Technologie gefördert wurden und im Rahmen des Projekts Zukunft kostenfrei ihre Mode zeigen können. Wobei Kollektion eigentlich der falsche Begriff ist. Steinrohner ziehen den der Edition vor. Damit wollen sich die beiden freimachen von dem sich immer schneller drehenden Modekarussell, in dem Kollektionen nicht mehr alle halbe Jahre sondern immer öfter von Pre-Fall-, Resort- oder Sonstwie-Kollektionen abgelöst werden. „Das können wir als Jungdesigner gar nicht leisten“, erklärt Stein und dass sie das auch gar nicht wollten. Ihre Editionen sollen keinen Trends hinterherjagen, sondern länger als eine Saison getragen werden können.

Zum nach kurzer Zeit Weghängen sind die Entwürfe der beiden sowieso viel zu schade. „Relief the Reef“ heißt also die neue Edition und dementsprechend sehen die Inspirationsbilder auch aus: Fotografien und Illustrationen von allerlei Meeresgetier hängen da, Bilder von Fisch-Fossilien, aber auch Stills aus dem armenischen Film 1960er-Jahre-Films „Color of Pomegranates“, der 2014 restauriert wurde. „Wir lassen uns gerne von Organischem inspirieren und oft sind es Reisen, die uns darauf bringen“, sagt Rohner. Im Winter war es ein Trip nach Sizilien, der sie zu einen charakteristischen Lava-Print inspirierte, dieses Mal waren Taucherlebnisse in Thailand und die Artenvielfalt der Riffs, die sie verarbeiteten.

Die wollen sie mit ihren liebsten Techniken textil nachbilden. Das sind Lasercut und Digital-Prints. Ersteres ermöglicht etwa das Markenzeichen von Steinrohner, feine Fransen, die auch das Top und die Jacke zieren, die Stein und Rohner zum Interview tragen, mit letzterem bringen sie die Bilder des Moodboards abstrahiert auf die Klamotten.

Wie Requisiten aus einem Film

Wie das dann aussieht? „Pearl“ ist ein geschlitzter knielanger Rock mit passendem Bustier, Bustier und Clutch aus silbernem Lack, „Jellyfish“ besteht aus glitzerndem, gerastertem weißem Gewebe, hergestellt von einem Schweizer Couture-Stoff-Handel, der Steinrohner in dieser Saison förderte, Koralle aus rotem, fein ausgefranstem Stoff. Einige der Teile wirken, als wären sie Requisiten aus einem Fantasyfilm, aber Steinrohner können auch anders: Zwischen Jacken aus gerissenem und drapiertem Latex und mit Stoffröllchen überzogenen Kleidern hängen überaus tragbare Kleider, Hosen und Shirts aus digital bedruckter Seide.

„Am Anfang entstehen immer unsere Showpieces“, erklärt Rohner. „Die simpleren Sachen entwickeln sich erst später daraus.“ Es ist diese Mischung, die für viele Jungdesigner das Geheimrezept zu sein scheint: Mit auffälligen Teilen macht man bei den Schauen auf sich aufmerksam, mit schlichteren Stücken, die dennoch dieselbe Designsprache sprechen, überzeugt man dann auch die Händler und Konsumenten von sich.

Momentan gibt es die Mode der beiden Designerinnen Stein und Rohner jedoch nur privat bei den Designerinnen zu kaufen und in einem Laden im fernen China. Nach der Fashion Week planen die Beiden jedoch einen eigenen Onlineshop mit ihren Kollektionen. Vielleicht klopfen dann ja auch ein paar interessierte Einkäufer an. Nachdem Inna Stein und Caroline Rohner im vergangenen Winter den „Young Designs Award“ gewonnen haben, zeigen Steinrohner bereits zum zweiten Mal ihre Entwürfe auf der Messe Premium die während der Fashion Week stattfindet.

Und auch für das Nicht-Fachpublikum gibt es etwas vom jungen Label Steinrohner: Ein Kleid aus der Winterkollektion wird bis zum 20. Juli in einem der Schaufenster des Kaufhauses Galerie Lafayette in der Friedrichstraße ausgestellt.