Auch Grobi und das Krümelmonster stehen demnächst wieder zum Verkauf – im Spielwarenladen Juno von Birgit Lengert (re.) an der Bergmannstraße in Kreuzberg. 
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BerlinNach mehr als einem Monat Abstinenz wollen Hunderte Kunsthändler in der Stadt in diesen Tagen Besucher erstmals wieder leibhaftig vor die Bilder, Plastiken, Objekte oder Videoleinwände bekommen. Doch nur einzeln oder zu zweit – und mit Mundschutz. Ein seltsamer Anblick, denn so schützend gehen üblicherweise nur Restauratoren mit Kunstwerken um.

Auch auf Ausstellungseröffnungen mit viel Publikum wird noch verzichtet. Corona spart, könnte man sarkastisch sagen – den Galerien nach Wochen ohne Einnahmen zumindest die Kosten für den Vernissagen-Wein. „Aber es ist ein Anfang“, sagt André Schlechtriem. In seiner Galerie in der Linienstraße in Mitte hat neben Schweizer Kunst neue Arbeiten des an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft arbeitenden Künstlers Andreas Greiner aufgebaut. Dessen Installationen sind eh nur auf einzelne Besucher ausgerichtet, auf Vertiefung und das, was man Zwiesprache zwischen Betrachter und Werk nennt – und das Gegenteil ist von Massenkonsum.

Auch in der Galerie CFA in der Charlottenburger Grolmannstraße sind die Mitarbeiter erleichtert. Dort werden Besucher streng getrennt vor die Bilder von Georg Baselitz und die kleinen Metallplastiken der Bildhauerin Katja Strunz gelassen. Kein Online-Auftritt kann deren originelle Schönheit so erlebbar machen wie die Nah-Betrachtung, das Drumherum-Gehen.

In der Friedrichshainer Galerie der Berliner Grafikpresse, in der Silvio-Meier-Straße wird Sabine Ulber die Tür öffnen und Freunde der Kunst des Malers Wolfgang Leber einlassen, einen links, einen rechts. Anders geht es derzeit nicht. Aber die farbenfrohen Bilder des französischsten aller Berliner Maler, dessen Stil an Henri Matisse denken lässt, verströmen Frühlingsstimmung und Hoffnung.
Die Kunstwirtschaft Berlins ist arg getroffen wegen der Verluste durch das von Anfang Mai in den Herbst verschobene Gallery Weekend, zu dem ansonsten immer Sammler aus aller Welt kamen. Es verschafft den Galerien sonst das ökonomische Kapital für den Rest des Jahres. Jetzt muss die Soforthilfe des Staates eine Weile reichen. Bis wieder richtig Kunst verkauft wird in Berlin.