Berlin - Für viele Berliner ist er der Flughafen der Herzen, ideal gelegen, voller Erinnerungen an Fernweh und Ferienflüge. Andere sehen eine  überlastete Anlage, eng und heruntergekommen, die einzige Zufahrtsstraße oft zugestaut. Am Flughafen Tegel scheiden sich die Geister.

Doch eines steht fest: Er ist eine Lärmquelle ersten Ranges, und in zunehmendem Maße raubt der Betrieb Anwohnern auch zur Schlafenszeit die Ruhe. Eine neue Statistik zeigt, dass die Zahl der Spät- und Nachtflüge 2015 einen Rekordwert erreicht hat.

Im vergangenen Jahr hat die Flughafengesellschaft nicht weniger als  8862 Starts und Landungen zwischen 22 und 6 Uhr registriert –  ein neuer Höchstwert, über den sich viele Menschen in Pankow, Reinickendorf und Spandau nicht freuen.  Zum Vergleich: 2002 hatte es in Tegel gerade einmal 5101 Spät- und Nachtflüge gegeben. Selbst 2014 blieb mit 7930 Flügen zu später Stunde deutlich zurück.
Doch die offizielle Statistik zeigt nicht nur, dass der Himmel über Berlin auch bei Dunkelheit noch ziemlich belebt ist. Sie führt außerdem vor Augen, dass es in Tegel kein Nachtflugverbot gibt, das diesen Namen verdienen würde.
Zwischen 23 und 6 Uhr, wo andernorts Ruhe herrscht, fanden dort immerhin noch 1239 Flüge statt, 54 mehr als im Jahr zuvor. Eigentlich gilt die Regel, dass  in dieser Zeit nicht gestartet und nicht gelandet werden darf. Doch davon gibt es diverse erlaubte Ausnahmen, nicht nur für verspätete Flugzeuge. So raubten 444 Flugzeuge mit Post den Tegel-Anwohnern die Nachtruhe. Nicht zu vergessen die 180 Ambulanzflüge. Und die 183 Flüge der Bundesregierung, des Militärs und der Polizei, die ebenfalls zu nachtschlafender Zeit über der Stadt lärmten.

Natürlich: Anliegern des Schönefelder Flughafens geht es  noch schlechter, denn dort gelten gar  keine Nachtflugbeschränkungen. Doch klar ist auch, dass rund um Tegel mehr Menschen leiden. Bei ihnen löst die jüngste Nachricht, dass der BER erst 2018 öffnen könnte und Tegel länger offen bleiben müsste, keine Begeisterung aus.
#allarticles