Es ist ein Streitthema, das schon viele Anwohner des künftigen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) demonstrierend auf die Straßen getrieben hat. Flugroutenschieberei – so nennen Bürgerinitiativen, die den Flughafenstandort Schönefeld ablehnen, das Hin- und Herschieben der BER-Flugrouten. Jedes Mal, wenn durch die Verlegung der Strecken Anlieger entlastet werden, müssen andere Bürger unter Turbinenkrach leiden. Doch die Fluglärmkommission Berlin-Schönefeld hat keine Lust, die Routen erneut zu verschieben. Am Montag vertagte sie die Entscheidung über das Alternativkonzept, das der Eichwalder Pilot Marcel Hoffmann vorgelegt hatte, auf unbestimmte Zeit. „Die eine oder andere Gemeinde hat kein Interesse daran, dass das Bündel wieder aufgeschnürt wird“, sagte der Vorsitzende Gerhard Steintjes. Widerstand kam auch aus Berlin.

Monatelang hatte Hoffmann an seinem Plan getüftelt und Mitstreiter gewonnen. Blankenfelde-Mahlow, das vom Lärm stark betroffen ist, sowie Eichwalde und Wildau legten sein Konzept ihren Anträgen an die Kommission zugrunde. Es sieht wie berichtet vor, dass am BER in der Regel nur auf einer Bahn gestartet und auf der anderen gelandet wird – abgesehen von Spitzenzeiten.

So sollten sich Starts bei Westwind im Regelfall auf die Südbahn und Landungen auf die Nordbahn konzentrieren. Wenn der Wind aus Osten weht, könnten Flugzeuge von der Nordbahn starten und auf der Südbahn landen. Dadurch würde Hoffmanns Wohnort Eichwalde im Normalfall nicht überflogen. Auch die benachbarten Orte Schulzendorf, Zeuthen und Wildau blieben außer zur „Peak Hour“ fluglärmfrei. Weit über 100 000 Menschen würden profitieren, sagte Hoffmann.

Kritik aus Treptow-Köpenick

Doch Anträge zur Geschäftsordnung verhinderten, dass er der Kommission seinen Vorschlag länger erläutern konnte. Die meisten Mitglieder hatten wenig Lust, sich damit auseinanderzusetzen – geschweige denn darüber zu entscheiden, obwohl die Anträge nur erreichen sollten, dass die Deutsche Flugsicherung (DFS) den Plan bewertet. „Viele erinnern sich noch daran, dass der bestehende Routenkonsens ein sehr schwieriger war“, erklärte Steintjes. Es gab auch Kritik an dem Konzept – unter anderem von den Bezirksämtern Treptow-Köpenick und Neukölln. Das könnte damit zusammenhängen, dass es nach Einschätzung von Beobachtern den Südosten Berlins stärker belastet als das geltende Konzept.

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„Ein Großteil der BER-Umgebung würde tatsächlich entlastet – nur Berlin-Bohnsdorf nicht“, sagte Christine Dorn vom Verein zur Förderung der Umweltverträglichkeit des Verkehrs. Eine solche Flugroutenschieberei wäre nicht akzeptabel. Bohnsdorf müsste sowohl bei West- als auch bei Ostwind mit Überflügen rechnen, hieß es. Bei Westwind würden alle landenden, bei Ostwind alle startenden Flugzeuge auf der BER-Nordbahn konzentriert, die kurz hinter der südöstlichen Berliner Stadtgrenze beginnt.

Marcel Hoffmann zeigte sich nach der Sitzung enttäuscht. „Mir tun die vielen Leute leid, die durch einen Beschluss der Kommission vor künftigem Fluglärm hätten geschützt werden können“, sagte er. Selbst Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn habe sich dafür ausgesprochen, das Konzept von der Flugsicherung prüfen zu lassen.

Auch über eine andere mögliche Routenänderung wurde am Montag in dem Gremium nicht befunden.

Mehr Krach in Lichtenrade

Wie berichtet hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg im September entschieden, dass startende Maschinen Blankenfelde-Mahlow zwischen 22 und 6 Uhr umfliegen müssen. DFS-Niederlassungsleiter Hans Niebergall stellte der Kommission vier Alternativrouten vor, die zunächst zwischen Mahlow-Nord und Lichtenrade verlaufen und dann verschiedene Orte betreffen – zum Beispiel Großbeeren und Teltow. Damit bewahrheiteten sich Befürchtungen von Initiativen, die diese Folgen der Gerichtsentscheidung befürchtet hatten.
Doch auch dazu legte sich die Fluglärmkommission nicht fest. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig, sagte Steintjes. Die klagende Gemeinde Blankenfelde-Mahlow habe noch nicht entschieden, ob sie Revision einlegt: „Wir warten noch ab.“