Berlin - Fahrbahnen wurden schmaler, Extraspuren für Radfahrer markiert, Mittelinseln angelegt. Drei Straßen in Berlin wurden im Senatsauftrag umgestaltet, um zu untersuchen, ob sich dadurch die Verkehrslärmbelastung verringern lässt. Doch ob sich der Aufwand gelohnt hat, darüber gehen die Meinungen auseinander. Denn die Ergebnisse der Modellversuche, die jetzt vorliegen, sind nicht nur positiv. Anlieger klagen, dass es lauter sei als vorher.

Die Umbauten hatten vor allem ein Ziel: weniger Platz für Kraftfahrzeuge, mehr Raum für Radfahrer. „Die Markierung von Fahrradstreifen sollte dazu führen, dass der Autoverkehr von den Häusern abgerückt wird“, sagte Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Erwartete Folge: Bei den Wohnhäusern am Rand kommt weniger Lärm an. Die Verschmälerung sollte auch den Verkehr reduzieren – was den Krach weiter verringert.

Subjektive Meinung war oft anders

Doch die Resultate zeichnen ein zwiespältiges Bild. Auf der Brandenburgischen Straße in Wilmersdorf ging der Lärm nach dem Umbau um 1,2 bis 1,5 Dezibel zurück. Auf der Dudenstraße in Kreuzberg waren es „bis 1,5 Dezibel“, wie es im Bericht heißt. Besonders groß sind diese Rückgänge nicht, aber immerhin: „Nach den neuesten Untersuchungen des Umweltbundesamts sind bereits Minderungen ab einem Dezibel wahrnehmbar“, erklärte Martin Schlegel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Verringerung des Lärms auf der Prinzenallee in Wedding, der dritten Versuchsstrecke, blieb allerdings selbst dahinter zurück: Sie erreichte nur 0,8 Dezibel.

Den objektiven Messdaten zum Trotz: Subjektiv waren die Anwohner oft anderer Meinung. Rund 35 Prozent der Befragten in der Dudenstraße gaben zu Protokoll, der Lärm habe zugenommen. Nur rund 20 Prozent meinten, dass der Lärm zurückgegangen sei. 43,9 Prozent bezeichneten die Umbauten als weder sinnvoll noch wirksam. In der Brandenburgischen Straße sagten fast 30 Prozent der Befragten, es sei lauter als früher. Etwas mehr als 30 Prozent teilten mit, es sei leiser geworden. 41,9 Prozent fanden die Umbauten weder sinnvoll noch wirksam. In beiden Straßen klagte eine Mehrheit, dass es jetzt mehr Staus gebe.

Offenbar hätten sich Störfaktoren niedergeschlagen, sagte Schlegel. So führen die Modemessen auf dem früheren Flughafen Tempelhof regelmäßig zu Staus auf der Dudenstraße, was Anlieger ärgert. Die Bauarbeiten auf dem Mehringdamm hätten sich ähnlich ausgewirkt.

„Es gibt aber auch Ergebnisse, die aus unserer Sicht erfreulich sind“, so der BUND-Verkehrsreferent. Die Umbauten haben den Verkehr verlangsamt. So sank das Durchschnittstempo auf der Dudenstraße von 31 auf 26 Kilometer pro Stunde. Zudem ging der Autoverkehr auf allen Versuchsstrecken zurück – um 2 bis 13 Prozent. Dafür sind zumindest auf der Dudenstraße und der Prinzenallee mehr Radfahrer unterwegs als früher. Zu dem vom ADAC befürchteten Verkehrschaos sei es dagegen nicht gekommen, meinte Schlegel.

"Versuchsstrecken bleiben ein Instrument"

Jörg Becker vom ADAC widersprach vehement. „Auf der Dudenstraße kommt es oft zum Rückstau. Kein Wunder, dass sich die Anwohner beschweren.“ Von Straßenumbauten, deren Kosten der Senat in diesem Fall bisher verschweigt, sollten die Planer „die Finger lassen“. „Um den Lärm zu verringern, sind zwei andere Mittel viel wirksamer: schalldämpfende Fahrbahnbeläge – und Grüne Wellen“, sagte Becker.

Doch die Senatsverwaltung will nicht nur die Versuchsstrecken zumindest bis 2014 so lassen, wie sie sind: Sie hält es zudem für möglich, dass weitere Straßen in Berlin umgestaltet werden. „Dies bleibt eines von mehreren Instrumenten, um den Verkehrslärm zu verringern. Dazu wollen wir Mitte 2013 die Fortschreibung unseres Lärmaktionsplans vorlegen“, sagte Petra Rohland. „Wir bewerten die Ergebnisse der Modellversuche als positiv.“