Berlin kämpft um seinen Ruf als internationale Clubmetropole mit Weltruf. Der wachsende Bedarf an Wohnflächen in der immer voller werdenden Stadt bedroht diesen Status immer mehr.

Die Anforderungen beim Lärmschutz sind unterschiedlich

Da aber Musik- und Ausgehindustrie ein Wirtschaftsfaktor mit Umsätzen von jährlich fast 200 Millionen Euro sind, gibt es Unterstützung aus der Politik – etwa beim Einbau von Lärmschutzmaßnahmen. Das Abgeordnetenhaus hat ein Förderprogramm aufgelegt, das mit einer Million Euro ausgestattet ist. Nach Angaben der federführenden Wirtschaftsverwaltung sind bislang 24 Anträge auf Unterstützung eingereicht worden. Für vier davon hat eine Jury der Lobby-Organisation Clubcommission bereits eine Förderempfehlung für knapp 300.000 Euro abgegeben. Das nächste Mal tagt die Jury Ende des Monats.

Allein eine Auflistung der vier bisher ausgelobten Förderempfänger zeigt, wie unterschiedlich die Anforderungen sein können. Da ist das SO36, legendärer Konzert- und Partyort in der Oranienstraße in Kreuzberg. Seit Ende der 70er-Jahre läuft der Betrieb – und fast genau so lange bangen die Betreiber um das Fortbestehen, weil Nachbarn über Lärm klagen. Jetzt soll mal wieder Schallschutz eingebaut werden, diesmal mit öffentlicher Förderung.

Auch der Open-Air-Club Ipse soll Unterstützung beim Lärmschutz bekommen

Da ist die Musikbrauerei in der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg. An die Veranstaltungshalle Recordinghall, in der oft Konzerte stattfinden, schließen sich baulich direkt Wohnungen an – ein Unding. Musikbrauerei-Inhaber Jens Reule Dantas spricht von „heranrückender Wohnbebauung“, die einen traditionsreichen Veranstaltungsstandort akut gefährde. Jetzt will er der Fördersumme von 50.000 Euro eigenes Geld hinzufügen und damit Schallschutztüren und -fenster sowie eine ausfahrbare Klappwand im Innenhof einbauen lassen.

Da ist die Ipse, Open-Air-Club am Flutgraben auf der Grenze zwischen Kreuzberg und Treptow – seit nun fast drei Jahrzehnten einer der beliebtesten Ausgehorte der Stadt. Die Ipse soll eine Schallschutzanlage mit neuartigen Lautsprechern sowie Lärm-Absorber bekommen. Damit solle „ein Zeichen an die Einwohner, Besucher und andere Großstädte der Welt gesetzt werden, dass eine gemeinsame Zukunft für alle im Zentrum der Stadt möglich ist“, heißt es.

Clubcommission-Chefin ahnt, dass das Geld für das Lärmschutzprogramm nicht ausreicht

Und da ist das Gretchen, Club der Clubcommission-Chefin Pamela Schobeß. Das Gretchen befindet an der Kreuzberger Obentrautstraße in ehemaligen Militärstallungen. Bisher war die Umgebung Gewerbegebiet, also unproblematisch. Jetzt soll auf dem sogenannten Dragoner-Areal öffentlich geförderter Wohnungsbau entstehender – ein klassischer Fall von „heranrückender Wohnbebauung“. Ohne Schallschutz, so Schobeß, „müssten wir aufhören“. Jetzt gibt es Geld für präventiven Schallschutz.

Pamela Schobeß ahnt schon jetzt, dass die bisherige Summe für das Lärmschutzprogramm nicht ausreichen werden. Sollten dieses Geld aufgebraucht sein, will sie sich für eine Neuauflage stark machen, schließlich sei es auch in einer sich verdichtenden Stadt wichtig, „Kulturräume zu schützen und zu sichern“. Und als genau dies seien Berlins Clubs anzusehen.