Protest macht Arbeit, kann sich aber lohnen. Das können sich jetzt Anwohner des Ostkreuzes zugutehalten. Als sie erfuhren, dass vor ihren Wohnungen eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand entstehen könnte, äußerten sie Unmut. Jetzt steht fest: Die Barriere wird deutlich niedriger ausfallen – damit können die Anlieger leben.

„Ich finde es positiv, dass die Bürger gehört wurden“, sagte Bernd Lampe, der in der Revaler Straße lebt. „Die Sache wurde zu einem guten Kompromiss gebracht.“ Der Umbau des Ostkreuzes, eines der größten Verkehrsprojekte in Berlin, ist im Endspurt. Ende 2018 soll es fertig sein.

Die neue Strecke soll das Ostkreuz mit Strausberg, Seelow-Gusow und Kostrzyn (Küstrin) verbinden

Nun wurde eine weitere Etappe erreicht. Für ein wichtiges Teilprojekt, die Wiederbelebung eines 1021 Meter langen Abschnitts der Ostbahn, hat das Eisenbahn-Bundesamt den Planfeststellungsbeschluss erlassen – und es ist diese Genehmigung, die Lampe und seine Mitstreiter aufatmen lässt.

Auf der Ostbahn sollen ab Ende 2018 Regionalbahnen vom Ostkreuz nach Strausberg, Seelow-Gusow und Kostrzyn (Küstrin) fahren. Von dem Neubau auf knapp 1020 Meter Länge und dem Bau von zwei Außenbahnsteigen werden nicht nur Pendler aus dem Umland profitieren, sondern auch Berliner, die in der Märkischen Schweiz wandern oder an der Oder Rad fahren wollen.

Die Mauer weckt „Finsterste Assoziationen“

Vier Meter hoch und 210 Meter lang: So groß wird die Schallschutzwand entlang des Gleises, auf dem die Dieseltriebwagen pausieren und wenden sollen, legte das Bundesamt jetzt fest. Um die Lärmbarriere am Ostende der Revaler Straße in Friedrichshain ins Stadtbild einzupassen, soll ein 100 Meter langer, drei Meter hoher Rankgitterzaun davor gestellt werden. Begrünt wird auch ein anderer Zaun, der bereits vorhanden ist, so der Beschluss.

Während des Genehmigungsverfahrens waren den Anwohnern andere Ideen zu Ohren gekommen. Berichten zufolge erwog das Eisenbahn-Bundesamt, die Schallschutzwand sechs Meter hoch und 230 Meter lang zu planen – so sollte die Zahl der Bürger, die Schallschutzfenster fordern könnten, klein gehalten werden.

Der Kompromiss berücksichtigt Stadtbild und Lärmschutz

Lampe befürchtete damals: „Es wäre eine Lösung, die finsterste Assoziationen auslöst – an die Berliner Mauer.“ Der Blick auf die Stadt wäre hinter einer hohen Sperre aus grauem Aluminiumblech verschwunden. Die Revaler Straße wäre verschattet, das Stadtbild verschandelt worden.

Die Anwohner sprachen mit Planern der Deutschen Bahn (DB) darüber, ob nicht bessere Lösungen möglich wären. Sie nahmen mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und Politikern Kontakt auf, beteiligten sich am „Runden Tisch Ostkreuz“ an der Diskussion.

„Die Ergebnisse sind erfreulich, bei dem Kompromiss wurde sowohl der Lärmschutz als auch das Stadtbild berücksichtigt“, lobte Lampe. Der Bezirk habe Flagge gezeigt, das Bundesamt zugehört, sagte er.

Ringbahn ist bis 12. Juni gesperrt

Noch dieses Jahr werden am Ostkreuz weitere Anlagen fertig. Vom 21. August können die S-Bahnen der Linie S 3, die seit Jahren in diesem Bahnhof enden, wieder in die Innenstadt weiterfahren. Am 10. Dezember geht ein weiterer Regionalbahnsteig in Betrieb, zum Beispiel für Züge nach Potsdam, Wismar, Cottbus und Frankfurt (Oder).

Derzeit müssen die Fahrgäste jedoch erst wieder Einschränkungen ertragen. Bis 12. Juni, 1.30 Uhr, ist der Ring zwischen Ostkreuz und Frankfurter Allee unterbrochen. Weil die Brücke über die Gürtelstraße neu entsteht, wird der Boden nach Kampfmitteln abgesucht.