Läuse sind in Berlin auf dem Vormarsch

Berlin - In der Winterzeit wandern sie von Kopf zu Kopf, machen in Schulen und Kitas Ärger: Läuse. Viele Eltern scheuen aber chemische Präparate, wenn der Nachwuchs sich kratzend nach Hause kommt. Das nutzt ein Geschäftsmann: Gary Attias (34) hat in der Winsstraße den wohl ersten „Anti-Läuse-Salon“ Deutschlands eröffnet.

Das Studio „Bye bye Läuse“ verspricht, dass binnen einer Behandlung (60 bis 90 Minuten) per Heißluft alle Kopfläuse weg sind. Die drei Angestellten arbeiten mit Maschinen, die aussehen wie Staubsauger. Zuerst werden die Läuse mit 55 Grad heißer Luft getrocknet, dann mit Creme behandelt und ausgekämmt. Pro Behandlung werden je nach Haarlänge 79 bis 119 Euro fällig. Für Familien gibt es Rabatt. Auf eine Kassenleistung kann man nicht hoffen.

Die Methode komme ohne die Chemikalien aus, die in handelsüblichen Mitteln enthalten seien, sagt Attias. Jedoch sei in der Creme, die er verwendet, auch Dimeticon, ein Wirkstoff, der in viel billigeren Präparaten aus der Apotheke enthalten ist.

So wird man die Läuse los

Das Robert-Koch-Institut (RKI) rät ab: Das Abtöten von Läusen und Eiern (Nissen) durch Heißluft sei unzuverlässig. Die Kopfhaut könne stark geschädigt werden. Empfohlen wird, die Nissen mit einem Läusekamm, bei dem die Zinken sehr eng stehen, Strähne für Strähne aus dem angefeuchteten Haar zu entfernen. Eine Lupe hilft. Dann sollte ein Insektizid aufgetragen werden. Eine zweite Behandlung nach wenigen Tagen sei unerlässlich.

Einen Überblick über das Problem zu bekommen, ist schwierig: Die Laus ist für die Behörden ein unbekanntes Wesen. Spandau, Pankow, Reinickendorf, Treptow-Köpenick meldeten für 2017 zusammen 1542 Mal Kopflausbefall. In anderen Bezirken wird nur die Zahl der Beratungen erfasst.

Die etwas andere Sprechstunde

„Kopflaus-Sprechstunden“ heißen sie in Steglitz-Zehlendorf. Meist ruft eine Schule oder Kita an und kommt mit der ganzen Gruppe oder Klasse. Die Kinder erhalten dann einen Zettel für die Eltern, was zu tun ist. 2017 wurden 706 Köpfe inspiziert, 2016 waren es noch knapp 1140. Die Sprechstunden wurden wegen Personalmangels gekürzt.

Mitte berichtete von 364 „kontrollierten Köpfen“ im Vorjahr. Friedrichshain-Kreuzberg vermerkt 1235 „Kopflauskontrollen“. Seit November gebe es die Sprechstunden aber nicht mehr. (JS/JR)