Berlin - Aus der Berliner Ausländerbehörde soll ab 1. Januar 2020 ein eigenständiges Landesamt für Einwanderung werden. Vor drei Monaten hat der Senat die Entscheidung vollmundig angekündigt, am Dienstag hat er den entsprechenden Gesetzesentwurf beschlossen. Berlin bereitet sich damit als erstes Bundesland mit eigener Behörde auf das Fachkräfteeinwanderungsgesetz vor, das auf Bundesebene voraussichtlich Anfang 2020 verabschiedet werden soll. Es soll Fachkräften aus dem Ausland die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern und zum Beispiel für eine raschere Vergabe von Aufenthaltstiteln sorgen.

„Deutschland ist ein Einwanderungsland“, sagte Innensenator Andreas Geisel am Dienstag, und Berlin sei eine der beliebtesten Zielstädte. Zurzeit hätten Einwanderer häufig keine andere Chance, als illegal einzuwandern, Asyl zu beantragen und sich dann von „Duldung zu Duldung zu schleppen“ – ohne Chance darauf, legal Arbeit zu finden. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz werde das ändern und Berlin wolle dafür frühzeitig bestens gerüstet sein. Ab Januar gesucht würden Fachkräfte vorrangig für zwei Bereiche: „Wir richten uns vor allem auf den Pflege- und den Handwerkermarkt aus.“

400.000 Menschen sprechen pro Jahr bei der bisherigen Ausländerbehörde vor – so viele wie in keiner anderen deutschen Stadt. Rund zwölf Prozent der bundesweiten Aufenthaltstitel werden hier erteilt, auch für Rückführungen ist die Ausländerbehörde mit ihren 430 Mitarbeitern zuständig. In Zukunft soll sich die Behörde unter neuem Namen verstärkt auf die direkte Vermittlung von Arbeitskräften an interessierte Unternehmen konzentrieren. Vorbild soll dabei der Business Immigration Service (BIS) sein, eine Kooperation zwischen Ausländerbehörde und Industrie- und Handelskammer.

Der BIS ist ein Vorzeigeprojekt des Senats: Die Gespräche mit Bewerbern werden hier vor allem auf Englisch geführt, Anträge werden ausschließlich digital bearbeitet, mit willigen Unternehmen ist man eng vernetzt. Acht Mitarbeiter schaffen im BIS laut Aussage der Behörde 8000 Aufenthaltstitel zur Berechtigung einer Erwerbstätigkeit pro Jahr. Nach Schätzung von Innensenator Geisel werden in Zukunft rund 250 der 430 Mitarbeiter in der Einwanderungsbehörde nach diesem Vorbild arbeiten.