Landeseigene Unternehmen sollten fallende Preise auf dem Immobilienmarkt nutzen

Der Umsatz auf dem Berliner Immobilienmarkt ist eingebrochen. Daraus ergeben sich Risiken, aber auch Chancen. Ein Kommentar. 

Begehrte Wasserlage: Wohnungen in der Wasserstadt Spandau
Begehrte Wasserlage: Wohnungen in der Wasserstadt SpandauSchöning/imago

Willkommen in der Realität. Auf dem Berliner Immobilienmarkt sind im vergangenen Jahr rund 6,5 Milliarden Euro weniger für Grundstücke, Häuser und Wohnungen ausgegeben worden als im Jahr zuvor. Das entspricht einem Umsatzeinbruch um 27 Prozent. Vor allem wegen der gestiegenen Kreditzinsen sind deutlich weniger Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser verkauft worden. Die Folge: Die Preise bröckeln. Ob die Entwicklung anhält, und falls ja, wie stark sich die Preise nach unten bewegen, ist jedoch offen.

Aus Käufersicht ist es zwar positiv, wenn die Immobilienpreise sinken. Leider haben nur sehr wenige Verbraucher unmittelbar etwas davon. Freuen dürfen sich diejenigen, die den Erwerb einer Immobilie ohne Kredit finanzieren können, beispielsweise vermögende Privatpersonen. Aber auch für Pensionskassen und Versorgungswerke, die jedes Jahr viel Geld gewinnbringend anlegen müssen, wird es lukrativer, Immobilien in Berlin zu erwerben, wenn die Preise bröckeln.

Für all jene, die an der Schwelle zum Wohneigentum standen, hat sich der Traum von den eigenen vier Wänden hingegen zerschlagen. Denn die gestiegenen Zinsen machen den Kauf, zumindest beim jetzigen Preisniveau, für viele unbezahlbar. Die Folge dürfte sein, dass Immobilien in Berlin immer mehr in den Besitz ohnehin vermögender Privatpersonen oder institutioneller Investoren kommen statt in die Hände einer breiten Eigentümerschaft. Das ist ein Risiko, weil deren Geschäftsmodelle selten auf ein moderates Mietniveau abzielen.

Daraus erwächst ein politischer Auftrag für die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Damit Wohnungen, die zum Verkauf stehen, in verantwortungsvolle Hände kommen, sollten die landeseigenen Unternehmen verstärkt prüfen, wo ein Erwerb sinnvoll ist – und von sich aus auf potenzielle Verkäufer zugehen.