Für Drogen Parfüm bei Douglas geklaut: Angeklagter bestreitet Messereinsatz

Necmi Ö. war einst Koch in einem renommierten Lokal in Berlin. Nun steht er zum wiederholten Mal vor Gericht – wegen schweren räuberischen Diebstahls.

Der Angeklagte Necmi Ö. mit seinem Anwalt Benjamin Wenzel
Der Angeklagte Necmi Ö. mit seinem Anwalt Benjamin WenzelPressefoto Wagner

Necmi Ö. gibt an diesem Mittwoch fast alles zu, was ihm der Staatsanwalt im Prozess vorwirft: den Diebstahl in einer Parfümerie ebenso wie seine beleidigenden Worte in Richtung der Polizisten, die ihn festgenommen haben. Nur die Sache mit dem Messer, mit dem er den Ladendetektiv bedroht haben soll, weist er von sich. Er habe definitiv immer ein Messer dabei, schon wegen der Kokskugeln, die er sonst nicht aufbekommen würde, sagt der 43-jährige Angeklagte. Aber bedroht, nein, bedroht habe er damit niemanden. „Definitiv nicht.“ 

Der Prozess gegen Necmi Ö. ist das einzige Verfahren, das zwischen Weihnachten und Neujahr am Landgericht Berlin beginnt. Vermutlich auch nur, damit Fristen eingehalten werden. Denn Necmi Ö. sitzt bereits seit fast sechs Monaten in Untersuchungshaft. Dem gelernten Koch, der einmal in einem renommierten Restaurant gearbeitet haben und durch Alkohol- und Drogenkonsum ins berufliche und soziale Abseits geraten sein soll, wird schwerer räuberischer Diebstahl, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung vorgeworfen. 

Am 25. Januar dieses Jahres soll Necmi Ö. gegen 10.45 Uhr bei Douglas in den Neukölln Arcaden zwei Parfümflaschen und eine Handcreme im Gesamtwert von 183 Euro gestohlen haben. Als ihn der Ladendetektiv bis zur Rolltreppe gefolgt sei, habe der Angeklagte den Verfolger mit den Worten „Fick dich, du Araber“ beleidigt, ein Cuttermesser gezogen und den Detektiv damit eingeschüchtert, so der Staatsanwalt. Polizeibeamte, die auf das Geschehen aufmerksam geworden seien, soll Necmi Ö. bei der Festnahme weggeschubst und mit unflätigen Ausdrücken wie „ihr Bullenschweine“ bedacht haben. 

Necmi Ö. erklärt vor Gericht, dass er an dem Tag ziemlich angetrunken gewesen sei – wie immer. Fünf bis sechs Wodka-Flachmänner trinke er täglich, dazu kämen noch zehn bis zwölf Flaschen Starkbier, erzählt er. Er habe an jenem Tag Saufdruck gehabt, sich Kokain beschaffen und auf die „Schnelle was machen“ wollen. Deswegen habe er die Parfümfläschchen mitgenommen. An das Cuttermesser könne er sich nicht erinnern, sagt der Angeklagte. Er habe nur an die Drogen gedacht. Er nehme alles, was da sei – auch Ecstasy. 

Der Angeklagte steht nicht zum ersten Mal vor Gericht. Im Juni 2016 wurde er vom Landgericht Berlin wegen schweren Raubs und versuchter schwerer räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Zudem wurde er wegen seines Drogenproblems in eine Entziehungsanstalt eingewiesen.

Erst im Juni dieses Jahres verurteilte ihn das Amtsgericht Tiergarten wegen Diebstahls und Sachbeschädigung in mehreren Fällen zu einer Haftstrafe von neun Monaten ohne Bewährung. Necmi Ö. soll Anfang Februar einen Späti in Kreuzberg überfallen und 166 Zigarettenpackungen im Wert von 1469 Euro mitgehen lassen haben. Zuvor hatte er offenbar zweimal die Wohnungstür seines Vaters eingetreten, weil dieser sich geweigert haben soll, ihm Geld für Drogen zu geben. Dafür wurde er im Februar festgenommen und saß bis Juni dieses Jahres in Untersuchungshaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil Necmi Ö. Berufung eingelegt hatte, über die noch nicht entschieden wurde.

Lange währte die Freiheit nicht. Am 1. Juli wurde er für die Taten in Neukölln in Untersuchungshaft genommen. Für die Verhandlung gegen den gelernten Koch sind bisher drei Verhandlungstage geplant. Ein Urteil könnte demnach am 4. Januar gesprochen werden.