Der Herzberg ist eigentlich gar kein Berg. Er ist eine Binnendüne, ein drei, vier Meter hoher Sandhügel, dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Dennoch gab diese in der letzten Eiszeit vor rund 10 000 Jahren entstandene unscheinbare Erhebung einem bekannten Ort in Berlin seinen Namen: Herzberge. So heißt das Klinikum, das 1893 als Städtische Irrenanstalt in Lichtenberg eröffnet wurde, und seine Umgebung seit mehr als hundert Jahren im Volksmund.

Jetzt befindet sich dort das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge. Mit seinen prächtigen Neorenaissance-Bauten liegt es mitten in einem der jüngsten, größten und wohl unbekanntesten Parks der Stadt, dem Landschaftspark Herzberge. „Er ist schon jetzt das grüne Herz von Lichtenberg mit einem hohen Naherholungswert“, wirbt Wilfried Nünthel (CDU), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung: „Es lohnt sich, ihn kennenzulernen.“

Der Landschaftspark Herzberge wird seit 2004 Schritt um Schritt angelegt, auf ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Flächen, Industriebrachen und dem Areal des einstigen Stadions Lichtenberg, wo sich ab den frühen 1970er-Jahren bis 1990 ein Zeltlager der DDR-Jugendorganisation FDJ für den Studentensommer befand. In den Semesterferien hatten Studenten auf Großbaustellen der DDR-Hauptstadt Pflichtstunden abzuleisten. Als Quartier für sie diente ein Lager. Das wird jetzt abgerissen, riesige Berge Schutt müssen bis zum Herbst abtransportiert werden.

Der Landschaftspark zwischen Landsberger Allee, Allee der Kosmonauten, Rhin- und Siegfriedstraße wird in etwa drei Jahren vollständig gestaltet sein und dann 60 Hektar Fläche umfassen. Rechnet man das Krankenhausgelände von Herzberge und das des ehemaligen Kinderkrankenhauses Lindenhof sowie den Friedhof Friedrichsfelde dazu, wo man ebenfalls flanieren kann, sind es sogar 150 Hektar. Schon jetzt können etwa zwei Drittel des Parks von Spaziergängern, Sportlern und Radfahrern genutzt werden.

Urbane Landwirtschaft

„Ein Antrag auf Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet ist gestellt“, sagt Heinz Nabrowsky, Leiter des Fachbereiches Naturschutz- und Landschaftsplanung im Bezirksamt Lichtenberg. Mit rund sechs Millionen Euro Fördermitteln von der EU und dem Land Berlin konnte in den vergangenen acht Jahren ein früherer Güterbahnhof und ein riesiges Gärtnereigelände abgetragen werden. Wo einst Züge rangierten, grasen jetzt Pommersche Landschafe. An die Haltung von Kühen ist gedacht.

Urbane Landwirtschaft nennt sich das, betrieben von der Agrarbörse Deutschland Ost. In zehn Teichen und Tümpeln, fünf davon neu angelegt, haben sich Teichfrösche und Wechselkröten angesiedelt, ebenso die seltenen Kammmolche. „Auch die Ringelnatter ist hier wieder heimisch geworden“, sagt Nabrowsky. In einem Stadtgarten ziehen junge Leute Gemüse und Blumen, ein Verein hat einen sogenannten Gesundheitspfad angelegt. Dort wird auf mehr als 30 Schildern erklärt, welche Entspannungsübungen in der Natur durchgeführt werden können.

Auf die Geschichte des Geländes wird auf zahlreichen Info-Tafeln hingewiesen. Wer weiß schon noch, dass sich dort einst ein großer Landwirtschaftsbetriebe befanden? Das Volkseigene Gut (VEG) Gartenbau Berlin war 1981 in Herzberge auf sechs Hektar Fläche eröffnet worden – Blumen und Zierpflanzen wuchsen dort. Ein kleiner Gartenbaubetrieb mit wenigen Gewächshäusern blieb davon übrig.

Einige alte VEG-Häuser stehen noch, über und über mit Graffiti beschmiert: „Unsere Sorgenkinder“, sagt Nabrowsky. Abgerissen werden kann der Trakt nicht, weil in die sogenannte Entkernung bereits EU-Mittel geflossen sind: „Jetzt suchen wir eine Nutzung, die zu einem Landschaftspark passt“, sagt Nabrowsky.