Langlebigkeit: 0,015 der Bevölkerung werden 100 Jahre alt

Berlin - Die Gerontologie – die Wissenschaft vom Altern – geht davon aus, dass nicht die gesunde Lebensweise der Hauptgrund dafür ist, dass jemand älter als 100 Jahre wird und damit als absolut langlebig gilt. „Absolute Langlebigkeit ist eher eine Frage der Vererbung, dafür braucht man eine genetische Disposition“, sagt Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie der Berliner Charité. Meist kommen diese Leute aus Familien, in denen es bereits langlebige Vorfahren gibt. „Entscheidend ist, dass Krankheiten, die potenziell lebensgefährlich sein können, nicht vererbt werden.“

In Brandenburg leben nach Angaben des Amtes für Statistik 2022 Menschen, die älter als 100 Jahre alt sind. Bundesweit gibt es keine offizielle Zahl für den Club der 100. Schätzungen zufolge hat er etwa 12.000 Mitglieder. Das sind nicht mal 0,015 Prozent der Bevölkerung.

Der Bundespräsident gratuliert

Auch der Bundespräsident, als oberster Gratulant, hat nur eine unvollständige Liste. Er gratuliert jedem, der den 100. Geburtstag feiert und dann wieder zu jedem Geburtstag ab dem 105. „Im vergangenen Jahr kamen so 6 392 Gratulationen zusammen“, sagt ein Sprecher des Präsidialamtes. „Es sind nur all jene erfasst, die uns von den Kommunen gemeldet wurden.“ Die meisten Super-Alten sind natürlich Frauen, im Vorjahr erreichten 13 den 109. Geburtstag. Paul Veit aus Neuruppin ist derzeit der einzige Mann, der diese Marke überschreiten konnte.

Aber immerhin gibt es Hoffnung für alle, die „relativ langlebig“ werden wollen – die Gruppe der über 90-Jährigen. Davon leben in Brandenburg 15.145 und bundesweit fast 530.000 Menschen. „Wer dieses Alter erreichen will, kann viel tun“, sagt Gerontologin Adelheid Kuhlmey. „Es sind meist Optimisten, die langjährig in festen Beziehungen leben.“ Sie würden meist keine spezielle Kost bevorzugen, aber sie seien fast nie fettleibig, sondern neigen eher zu Untergewicht. Und sie meiden meist auch jene Lebensmittel, von denen sie wissen, dass sie ihnen nicht so gut bekommen. Sie bewegen sich regelmäßig, rauchen nicht und trinken nicht übermäßig Alkohol. „Sie gehören zu keinen besonderen Berufsgruppen, hatten aber meist eine Arbeit, die sie befriedigt hat – und sie haben sich nicht überfordert gefühlt“, sagt sie.

Ein Trend ist derzeit eindeutig: Die über 80-Jährigen bilden die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe. Und damit steigt das Durchschnittsalter immer weiter: In Brandenburg lag es 1991 bei 37,6 Jahren, nun sind es 45,7 Jahre.