Berlin - Laut Fahrplan soll eine solche Fahrt zwar nur 29 Minuten dauern, doch das ist erfahrungsgemäß häufig nur eine rein theoretische Angabe. Wer schon einmal im Berufsverkehr in dem Metro-Bus auf der wichtigen Ost-West-Verbindung steckte, weiß, wie immens sich die geplante Fahrzeit ausdehnen kann. Baustellen behindern die Busse. Ampeln, die den Fahrzeugen Vorrang vor Pkw und Motorrädern geben sollten, sind seit Jahren ausgeschaltet.

Und auf der Potsdamer Straße blockieren immer wieder geparkte oder haltende Autos die dort aus gutem Grund eingerichtete Busspur. Nicht nur das: Viele Autofahrer fahren auch auf der Extra-Spur für den ÖPNV – kommen sie dort doch etwas schneller voran als jene, die sich an die Vorschriften halten. Die Busse schleichen derweil im Stau. Dabei ist die Potsdamer Straße nur ein Beispiel von vielen.

Bei den Busspuren zeigt sich ebenso wie bei der immer wieder gern beklagten Verunreinigung von Gehwegen, Straßen und Plätzen durch Hundehaufen das Berliner Dilemma: Der Senat erlässt eigentlich sinnvolle Vorschriften (Hundekot liegenlassen ist verboten, auf Busspuren gehören nur Taxis und Busse) – ob und wie die Regeln durchgesetzt werden, kümmert ihn kaum. Dies den hoffnungslos überlasteten Ordnungsämtern der Bezirke zu überlassen, ist schon mehr als blauäugig. Vielleicht steckt aber auch Kalkül dahinter: Touristen rühmen ja die fröhliche Anarchie in der Hauptstadt. Seite 18