Langsamer Nahverkehr: Berlins Busse werden ausgebremst

Von wegen Berliner Tempo! Der Busverkehr ist nicht schneller, sondern langsamer geworden. Legten die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) vor 15 Jahren im Schnitt 19,6 Kilometer in der Stunde zurück, so sind es jetzt nur noch 19,4 Kilometer. Das berichtet Torsten Mareck, der kommissarische Bus-Chef. In der Innenstadt betrage das durchschnittliche Tempo nicht mal mehr 15 Kilometer pro Stunde. Die BVG fühlt sich alleingelassen.

„Autofahren ist zu attraktiv“

Es klingt wie ein Hilferuf. „Aus unserer Sicht fehlt es an der klaren Ansage, dass öffentlicher Nahverkehr Daseinsvorsorge für alle ist und kein individuelles Beiwerk“, so Mareck. Von der Verkehrslenkung fühle sich die BVG nicht angemessen behandelt – dabei befördern ihre Busse genauso viele Fahrgäste wie die Berliner S-Bahn, allein im vergangenen Jahr 418 Millionen. Doch allzu oft bleibe die BVG im Hintertreffen. Folge: „Auf manchen Verbindungen ist Autofahren in Berlin zu attraktiv.“

Die Kürzung der TXL-Linie zum Flughafen Tegel zum 4. Juli zeigte exemplarisch, wie prekär die Lage ist. Wo klemmt es im Busverkehr?

Problem Nummer eins: „Die Zahl der Baustellen, die uns auf den Hauptverkehrsstraßen behindern, steigt wieder an“, sagt Mareck. Vergangenes Jahr gab es fast 2 300, ein Fünftel mehr als im Jahr davor. Und dann sind da die kaputten Ampeln.

„Rund 850 Ampelanlagen in Berlin können von BVG-Fahrzeugen per Funk beeinflusst werden – was nicht in jeder Situation heißt, dass wir bevorzugt werden. Bei rund 60 Ampelanlagen funktioniert die Beeinflussung nicht, zum Teil schon seit Jahren“, so der BVGer. „In einigen Fällen ist sie defekt und müsste repariert werden, in anderen Fällen wurde sie abgeschaltet, weil die Anlage umgebaut oder wegen einer Baustelle umprogrammiert wurde.“

Ebenfalls gravierend: Falschparker. Sie machen immer öfter einen zuverlässigen Betrieb unmöglich, klagt Mareck. „In Friedrichshagen mussten wir unseren Schienenersatzverkehr zeitweise einstellen, weil die Busse nicht mehr durchkamen.“ In Wannsee stand der 114er still, ebenfalls wegen Falschparkern. „Leider hören wir immer mal wieder, dass die Durchsetzung von Halteverboten für die Polizei nicht die oberste Priorität hat.“

Zwar seien täglich zwei Teams von Busspurbetreuern in zwei Schichten im Einsatz. „Doch nicht selten ist es so, dass sie eine Busspur von Falschparkern frei räumen ließen – und hinten stellen schon wieder die nächsten Falschparker ihre Autos ab“, berichtet der Bus-Chef.

Fahrstreifen sind zu schmal

Das Busspurnetz, 101 Kilometer lang, ist schon lange nicht mehr erweitert worden. Auch sind die Fahrstreifen nur drei bis 3,50 Meter breit. „Die meisten Busse haben allerdings schon eine Breite von 2,55 Meter, zu beiden Seiten kommen dann noch die Spiegel dazu. Wenn noch Fahrräder unterwegs sind, wird es schwierig, dann hat die Busspur eigentlich keinen Sinn mehr.“

Überhaupt der Fahrradverkehr: „Er wächst immer weiter, beim Rechtsabbiegen müssen auch wir oft lange warten, bis wir um die Ecke fahren dürfen.“ Die BVG sehe die Radfahrer nicht als Gegner. „Aber wir brauchen in Berlin eine andere Aufteilung des Verkehrsraums, damit Busse und Fahrräder gleichermaßen gut vorankommen“, fordert Mareck. „Diese Neuverteilung muss unserer Meinung nach manchmal auch zulasten des Autoverkehrs gehen. Es geht nicht anders.“