Am Flughafen Tegel gibt es mehr Laserpointer-Angriffe auf Passagierflugzeuge als an allen anderen deutschen Flughäfen. Von Jahresbeginn bis Ende Juli wurden zwölf Piloten mit Laserpointern geblendet. Insgesamt registrierte das Luftfahrtbundesamt (LBA) in Deutschland in den ersten sieben Monaten 65 Fälle.

„Es ist, als ob man plötzlich für längere Zeit in die Sonne sieht“, sagt Markus Wahl, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. „Es reicht schon, wenn der Pilot für 20 Sekunden nichts sieht. Dann ist das Risiko für Crew und Passagiere extrem hoch.“ Laserstrahlen – ob rot oder grün – können je nach ihrer Intensität an der Netzhaut des Auges schwere Verletzungen verursachen, die bis zur Erblindung führen können.

Gesetzesänderung gefordert

Seit Jahren fordert deshalb die Pilotengewerkschaft, dass leistungsstarke Laserpointer mit mehr als 500 Milliwatt unter das Waffengesetz fallen, so dass der Besitz strafbar ist. „Aber bislang wurden wir nicht gehört, es muss wohl erst etwas passieren“, sagt Wahl.

Bislang muss die normale Rechtslage ausreichen: Wer Piloten mit einem Laserpointer blendet, macht sich des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr strafbar. So sitzt derzeit ein 22-jähriger Mann in Untersuchungshaft und wartet auf seine Gerichtsverhandlung. Er soll in der Nacht zum 17. Juni in Friedrichshain am Rande von Straßenkrawallen mit einem Laserpointer die Besatzung eines Polizeihubschraubers geblendet zu haben. Polizisten hatten beobachtet, wie der 22-Jährige vom Boxhagener Platz aus den Helikopter anstrahlte. Dieser war zur Unterstützung der am Boden agierenden Polizisten eingesetzt. Nach Darstellung der Polizei traf der grüne Laserstrahl etwa eine Minute lang den Piloten und die Besatzung. Nur durch ständige Positionsänderungen und das Schließen der Schutzvisiere habe sie schwere Augenverletzungen oder den Kontrollverlust verhindern können.

Die Vorfälle, bei denen in Berlin die Piloten von Passagierflugzeugen geblendet wurden, ereigneten sich nach Angaben von LBA-Sprecherin Cornelia Cramer in der Umgebung des Flughafens Tegel. In der Umgebung des Flughafens Schönefeld sei kein Laserpointer-Angriff gemeldet worden.

Nach Berlin waren Frankfurt am Main mit neun, Hamburg mit sieben und Leipzig mit fünf Laser-Attacken am häufigsten betroffen. „Zu Einzelheiten von Störungsmeldungen äußern wir uns nicht“, sagte Cramer. Auch zu den betroffenen Fluggesellschaften macht die Behörde keine Angaben. Die Dunkelziffer der Laserangriffe dürfte höher liegen, da das Luftfahrt-Bundamt nur die Angriffe auf Flugzeuge deutscher Fluglinien registriert.

Laserangriff löst Großeinsatz aus

Im vergangenen Jahr sind dem Luftfahrt-Bundesamt in Deutschland 218 Laser-Attacken auf deutsche Fluggesellschaften im In- und Ausland gemeldet worden 141 davon in Deutschland, 36 davon auf Hubschrauber. Das waren weniger Fälle als 2015, als die Behörde insgesamt 156 Fälle in Deutschland registrierte. Damit setzt sich der Trend fort, wonach die Zahl der Angriffe bereits seit 2014 gesunken ist. Einer der möglichen Gründe ist, dass die Polizei solche Blendattacken immer stärker verfolgt.

Vor knapp vier Jahren war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz, weil in Prenzlauer Berg immer wieder Flugzeuge geblendet wurden, die im Landeanflug auf Tegel waren. Mehrere Piloten hatten dies dem Tower berichtet. Sie konnten dennoch sicher landen. Die Polizei suchte daraufhin unter anderem im Volkspark Friedrichshain und im Bötzowviertel nach dem Täter. Etwa 100 Polizisten gingen von Haus zu Haus. In der Hufelandstraße fanden sie schließlich am Dachfenster der elterlichen Wohnung einen 14-jährigen Jungen, der einen Laserpointer bei sich hatte. Er gestand die Taten und sagte, er habe es aus Spaß getan.