Köln - Im Alltag mit Kind greifen Eltern automatisch auf die immer gleichen Sätze zurück. Einige Worte, die da so unüberlegt fallen, sind allerdings nicht besonders glücklich gewählt. Denn auch wenn Mütter und Väter ihre Kinder damit nur zurechtweisen, motivieren oder trösten wollen – bei den Kleinen kommt das oft anders an: Sie fühlen sich nicht ernst genommen, bekommen Angst oder zweifeln plötzlich an der Zuneigung der Eltern.

Eltern sollten also gut darauf achten, was sie ihren Kinder den lieben langen Tag zurufen.

Diese Sätze sollten Sie lieber vermeiden:

Ich glaub dir nicht.

Was Eltern vielleicht nur sagen, um einem harmlosen Schwindel auf die Schliche zu kommen, kann beim Kind auch anders ankommen. Es hört: Ich vertraue dir nicht.

Besser: Fragen zur Situation stellen anstatt direkt zu verurteilen.

Warum kannst du nicht wie dein Bruder/deine Schwester sein?

Vergleiche zwischen Geschwistern ziehen Eltern gerne heran, um Fehlverhalten noch deutlicher zu machen. Sensible Kinder aber könnten es so verstehen: Ich hab deinen Bruder viel lieber als dich.

Besser: Dem Kind signalisieren, dass man es immer liebt, auch wenn das Geschwisterchen etwas besser kann.

Du bist die/der Beste von allen. 

Natürlich ist es gut und richtig, sein Kind zu loben. Ihm aber einzutrichtern, es könne alles besser als die anderen, das führt womöglich dazu, dass es die Nase ziemlich hoch trägt und nicht damit umgehen lernt, wenn ihm etwas mal nicht gelingt.

Besser: Das Kind loben, ohne den Vergleich zu anderen anzustellen.

Ich schäme mich für dich.

Selbst wenn man sich maßlos über das Kind geärgert oder sich in der Öffentlichkeit blamiert hat, Eltern sollten dem Kind nie das Gefühl geben, dass es ihnen peinlich ist.

Besser: Sie sollten stattdessen deutlich zeigen, dass sie trotz allem zu ihm stehen.

Hier wird nicht geheult. 

Was viele Eltern vor allem gerne zu Jungs sagen, setzt diese ganz schön unter Druck. Denn es gibt einfach Situationen, da darf, muss und soll geheult werden. Warum auch nicht. Kinder müssen wissen, dass sie ihre Gefühle zeigen dürfen.

Besser: Das Kind fragen, warum es weinen muss.

Wenn du das nicht machst, ist Mama traurig.

Zimmer aufräumen, sich entschuldigen: Manchmal versuchen Eltern, Kinder zu etwas zu bewegen, indem sie ihnen ein schlechtes Gewissen machen. Für das Kind ist solch ein Satz schlimm, denn es möchte sicher nicht der Grund dafür sein, dass seine Mutter traurig ist. Es könnte sich schuldig und unzulänglich fühlen.

Besser: Eigene Emotionswelten aus solchen Aussagen heraushalten.

Lass mich in Ruhe. 

Auch wenn sich Eltern manchmal wünschen, einfach mal nichts mehr von den Kids zu hören und sehen, die Kleinen nehmen diesen Satz sehr wahrscheinlich persönlich und fassen es als Zurückweisung auf.

Besser: Lieber so etwas sagen: Einen Moment, ich bin gleich wieder bei dir.

Warte ab, bis Papa/Mama heimkommt.

Auch wenn es manchmal praktisch ist, Sanktionen dem Partner zu überlassen – Drohungen dieser Art bauen bei Kindern Angst auf und dämonisieren das heimkommende Elternteil.

Besser: Selbst reagieren oder später gemeinsam mit dem Partner und dem Kind das Problem in Ruhe besprechen.

Jetzt beeil dich endlich!

Dieser Satz kommt Eltern garantiert häufiger über die Lippen. Gerade morgens, wenn Papa oder Mama rechtzeitig zur Arbeit müssen. Kinder aber kriegen durch solch einen Satz schnell den Eindruck, dass sie ihre Eltern aufhalten oder zur Last fallen.

Besser: Das Kind fragen, wie lange es noch braucht. Oder ihm zur Hilfe zu kommen.

Immer machst du./Nie machst du.

Generalisierungen sind in Frust-Momenten ganz hilfreich für Eltern, um ihrem Ärger richtig Ausdruck zu verleihen. Doch fair sind diese Übertreibungen nicht. Das Kind hört stattdessen: Immer mache ich alles falsch.

Besser: Beziehen sich Eltern bei ihrer Kritik stattdessen auf die Situation, können Kinder das besser verstehen.

Das war schrecklich.

Selbst wenn etwas völlig misslungen ist, sollten Eltern bei der Wortwahl aufpassen. Denn Ausdrücke wie „schrecklich“ beziehen kleinere Kinder auch schnell mal auf sich. Sie können noch nicht unterscheiden, dass es hier nur um eine Sache geht.

Besser: Dass etwas nicht so gut war, verstehen Kinder auch, wenn Eltern weniger kräftige Ausdrücke wählen.

Komm, ich mach das für dich.

Lieb gemeint, aber oft gar nicht das, was das Kind will. Denn wenn Eltern alles gleich abnehmen, kann es Dinge gar nicht erst ausprobieren oder nochmal versuchen. Irgendwann traut es sich gar nichts mehr zu.

Besser: Eltern können sagen: Versuch es noch einmal. Und melde dich, wenn du Hilfe brauchst.

(iwo)