Berlin - Große Mietshäuser, kleine Hinterhöfe, das ist (auch) in Berlin eine Mischung, die man kennt. Bei unserem Leser Steven Knoblich, der in Wilmersdorf wohnt, stellt sich die Lage besser dar. „Wir haben einen sehr schönen großen Hof, der uns vor allem im Lockdown sehr geholfen hat, mal herauszukommen. Auf ihm gibt es einen Spielplatz, genügend Bäume für ausreichend Schatten, aber auch ein paar Freiflächen zum Toben.“ Doch seit kurzem verdunkeln neu installierte LED-Laternen die Freude der Anwohner über den etwa 6000 Quadratmeter großen Hof. 

„Die Laternen leuchten zu hell, das grelle Licht dringt in unsere Wohnungen ein, und es verjagt auch die Tiere", sagt Steven Knoblich, der IT-Manager ist. Die Hausgemeinschaft erfreut sich schon einige Jahre an Füchsen, die sich im Hof balgen. Und man hat auch entzückt beobachtet, wie ein Eulenpaar Nachwuchs bekam und den Jungen später das Fliegen beibrachte.

Derk Ehlert, Wildtierexperte bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Umweltschutz, kann Steven Knoblich und seine Nachbarn beruhigen. Die Tiere störe das Licht im Gegensatz zu den Menschen überhaupt nicht, erklärt er. „Es handelt sich wahrscheinlich um Waldohreulen. Von denen gibt es einige wenige, die in Berliner Wohnanlagen auf Nadelbäumen wie Fichten nisten. Den Vögeln sind die Lichtverhältnisse ziemlich egal, es gibt sogar Nester direkt über und unter Lampen.“  Allerdings seien die Tiere auch recht umzugsfreudig, sagt Derk Ehlert. Vielleicht seien sie jetzt einfach in einen anderen Hof weitergezogen und kehrten in einigen Jahren zurück.

Als Erste Hilfe stülpten die Mieterinnen und Mieter den Laternen einfach Pappkartons über, nun tragen sie Kapuzen und leuchten nur noch wenig. Ich fragte beim Vermieter Deutsche Wohnen an, wo man mir versicherte, dem Problem nachzugehen. Eine Sprecherin mailte: „Uns haben mehrere Mieterbeschwerden erreicht. Diese hat die Deutsche Wohnen entsprechend geprüft und ein Programmiergerät zum Dimmen der Laternen bestellt. Dieses soll zum Beginn dieser Woche (Auskunft Hersteller) angeliefert und schnellstmöglich in Betrieb genommen werden.“

Tagsüber ist der Genuss des Hofes immerhin nicht gestört. Steven Knoblich setzt sich gerne in seinen Liegestuhl neben Büschen und Blumen. „Es ist sehr erholsam hier, die Innenhöfe meiner Kindheit in Prenzlauer Berg und Mitte waren mit Beton versiegelt, dort war es bei weitem nicht so schön.“