Es ist das wohl beliebteste Tier in der Stadt. Da kann eine Katze vorbeilaufen oder ein Hund – das registriert man oft mit Freude. Aber wenn ein rotbrauner Schwanz im Gebüsch aufblitzt, rufen viele hell begeistert: „Ein Eichhörnchen!“

Nun haben Berliner Wissenschaftler unter Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)  untersucht, wie es dem Eichhörnchen in der Stadt geht. Der typische Berliner Bewohner ist das rote Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Es wird recht oft gesichtet, doch das täuscht, wie die Forscher sagen. Denn es lebt in der Stadt wie auf einem Flickenteppich. Sein Lebensraum ist zerhackt, besteht aus lauter kleinen, fragmentierten Inseln: Parks, Grün- und Freiflächen.

Die Grundlage der Studie, die in der Fachzeitschrift Frontiers in Ecology and Evolution erschienen ist, bildeten Daten aus Beobachtungen von Bürgerforschern und Aufnahmen von Wildtierkameras. Diese waren in einem Raster von zwei mal zwei Kilometern gleichmäßig in Berlin verteilt.

Straßen, Bahnstrecken und Hitzeinseln

Anhand der Daten konnten die Forscher nun besser modellieren, wo kritische Hotspots für Berliner Eichhörnchen sind. Die Stadtplanung sollte das berücksichtigen, meinen sie, und genügend Frei- und Grünflächen schaffen, um die Lebensorte der Eichhörnchen durch Korridore zu verbinden.

Kritische Hotspots sehen die Wissenschaftler etwa an der Elsenstraße und Elsenbrücke in Treptow. Hier trennten die Spree und die breiten Fahrbahntrassen die Grünflächen im Treptower Park, auf der Halbinsel Stralau sowie im Schlesischen Busch und im Görlitzer Park, sagen sie.

Besonders einschneidend würden die Lebensräume der Eichhörnchen auch durch die Trasse der A111 im Tegeler Forst und Frohnau getrennt sowie durch Bahn und Stadtautobahn zwischen dem Tempelhofer Feld und den Grünanlagen in Britz. Auch die zunehmende Bildung von Hitzeinseln durch den Klimawandel mache den Tieren zu schaffen. Eine weitere bauliche Verdichtung der Stadt könnte die einzelnen Populationen näher an den Rand ihres „Existenzminimums“ bringen.

Eichhörnchen kommen auch auf Balkons

Positiv fiel den Forschern ein wichtiger und langer Korridor für Eichhörnchen auf, der durch mehrere Grünanlagen an der Spree gebildet wird. „Dieser Gürtel hat das Potenzial, Stadtteile in Ost und West zu verbinden und ist lediglich durch einzelne, massive bauliche Barrieren unterbrochen“, erklärt Marius Grabow, Erstautor der Studie vom IZW. Häufiger als in anderen Städten wurden Eichhörnchen in Berlin auch in Privatgärten und auf Balkons gesichtet.

Das Berliner Eichhörnchen ist tagaktiv. Es klettert sehr geschickt an Bäumen und Hauswänden, kann vier bis fünf Meter weit springen. Zum Schlafen und Ruhen baut es hohlkugelförmige Nester, Kobel genannt, die in mehr als sechs Metern Höhe in Bäumen liegen. Im Herbst legt das Eichhörnchen Vorräte für den Winter an. Oft wird es auch von Bürgern gefüttert.

Zu den natürlichen Fressfeinden des Eichhörnchens gehören freilaufende Hauskatzen. Das nordamerikanische Grauhörnchen, das sich auch in Europa verbreitet, gibt es hierzulande noch nicht. Aber manches über das Leben der Berliner Eichhörnchen ist tatsächlich noch unbekannt. Erst 2017 entdeckten Forscher das „Berlin Squirrelpox Virus“, ein Pockenvirus, an dem vor allem junge Eichhörnchen versterben.