Berlin - Anlässlich der Verurteilung des Kulturmäzens und Menschenrechtsaktivisten Osman Kavala Ende April haben sich am Mittwoch Kultur- und Medienschaffende aus Berlin und der Türkei zum Protest vor dem Bundeskanzleramt versammelt.

Von den rund 40 Personen hielten viele Plakate mit den Namen und Gesichtern von Kavala und sieben weiteren in der Türkei verurteilten Menschenrechtsaktiven in den Händen. Leitendes Symbol des Protests war eine gläserne Gefängniszelle, die auf einem Transporter gefahren wurde. Sie führte den Demonstrationszug vom Kanzleramt vorbei am Sitz der europäischen Kommission bis zur türkischen Botschaft an. Der meterhohe Kasten war zuvor Teil einer Ausstellung von Can Dündar gewesen.

Osman Kavala bekam in Istanbul lebenslange Haft

„Wir sind hier, weil fünf von uns selbst Gefangene des türkischen Regimes waren“, sagte Dündar. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet war 2015 der Spionage angeklagt und festgenommen, 2016 verurteilt worden. Kurz danach reiste er nach Deutschland aus und lebt seitdem in Berlin. Tausende andere sitzen aus politischen Gründen noch in der Türkei in Gefängnissen, sagte er am Mittwoch.

Zu der Protestaktion aufgerufen hatten neben Dündar auch der Dokumentarfilmer Peter Steudtner und der Journalist Deniz Yücel von der Welt. Die drei hatten selbst in dem Gefängnis gesessen, in dem nun Osman Kavala die ihm verordnete lebenslange Haft absitzen soll. Vor Ort waren auch andere Berliner Kulturschaffende, wie die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff.

Kavala sitzt bereits seit mehr als vier Jahren ohne Urteil im Gefängnis. Ihm wird die Unterstützung der Proteste im Gezi-Park in Istanbul im Jahr 2013 vorgeworfen. Die türkische Regierung bekämpfte die Proteste der Istanbuler Bevölkerung damals mit Gewalt. Menschenrechtsaktive bezeichneten die Vorwürfe gegen Kavala und andere Verurteilte immer wieder als haltlos, auch Kavala selbst betonte wiederholt seine Unschuld. Obschon Kavala 2020 freigesprochen wurde, musste er in Haft bleiben, weil noch am selben Tag ein neues Verfahren gegen ihn eröffnet wurde. Der neue Vorwurf: die Beteiligung am Putschversuch von 2016.

„Selbst für türkische Verhältnisse sind die Anklageschrift und das Urteil absolut lächerlich“, sagte Deniz Yücel bei der Kundgebung vor dem Kanzleramt. Man würde darüber lachen können, wenn die Folgen für Kavala und die sieben anderen Verurteilten nicht so dramatisch wären. Yücel sprach auch von einem „Racheprozess von Erdoğan“. Das Vorgehen der Türkei müsse nun dringend politische Konsequenzen in Europa haben – deswegen seien die anderen und er auf der Straße.