München und Berlin haben unter den 30 größten deutschen Städten einer Studie zufolge aktuell die besten Zukunftsaussichten. Die Hitliste, die das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und die Privatbank Berenberg am Donnerstag in Frankfurt vorstellten, führt erstmals München an. Berlin setzte seine Aufholjagd der vergangenen Jahre fort und eroberte Platz 2. Dahinter folgt Leipzig auf dem dritten Platz. Der dreimalige Spitzenreiter Frankfurt muss sich mit Platz vier begnügen.
Für das Ranking wurden die Produktivitätsentwicklung, Standortfaktoren wie Bildung, Innovationsfähigkeit, Erreichbarkeit, Internationalität sowie die demografische Entwicklung analysiert.

Berlin lag 2008 noch auf Platz 24 von 30. 2013 hatte sich die Hauptstadt schon auf Rang 5 vorgearbeitet, nun Platz 2. Besonders beim Trendindex, der die ökonomische Leistungsfähigkeit misst, verbesserte sich Berlin auf Rang 3. Bei der Erwerbstätigkeit liegt die Metropole an der Spree mit einem Plus von 7,3 Prozent an der Spitze aller 30 größten Städte. Parallel dazu wuchs auch die Bevölkerung in Berlin um 2,9 Prozent (Rang 4). Mit einem Plus von 4,2 Prozent verbuchte allerdings Leipzig den größten Einwohnerzuwachs.

Wachstumsmotor Berlin

Ursachen für die gute Entwicklung Berlins seien weiterhin die hohe Dynamik in der Bevölkerungs- und Erwerbstätigenentwicklung. „Der Wachstumsmotor Berlin läuft. Gute Standortfaktoren, insbesondere die Internationalität und Erreichbarkeit, tragen zur Entwicklung bei“, erklärte HWWI-Direktor Prof. Henning Vöpel.

Berlin muss allerdings noch stark bei der Produktivität aufholen. Mit einem Wachstum von 3,1 Prozent schnitt Berlin zwar besser ab als die 30 Städte im Durchschnitt (+2,7 Prozent). „Aber Rang 19 bei der Wachstumsrate und Rang 23 bei den absoluten Werten zeigen, dass Berlin noch ein gutes Stück Weg bei der Bewältigung des Strukturwandels vor sich hat“, urteilten die Wirtschaftsexperten.

Schlusslicht Chemnitz

Auch beim Demografieindex schnitt die Hauptstadt mit Rang 8 nicht so gut ab. Er zeigt an, welche Städte in Zukunft wachsen und sich verjüngen werden. Hier belegen Dresden, Wiesbaden und Leipzig die Plätze 1 bis 3. Beim Standortindex landete Berlin auf Rang 6 - hinter Frankfurt/Main, München, Stuttgart, Düsseldorf und Köln. Dabei wird vor allem das Bildungsniveau der Einwohner gemessen und ihre Fähigkeit zur Innovation.

Schlusslicht beim Städteranking ist zum vierten Mal in Folge Chemnitz. Auf den Plätzen 29 bis 25 landen Kiel und die nordrhein-westfälischen Industriestädte Gelsenkirchen, Bochum, Wuppertal und Duisburg. Bevölkerungsrückgang und Verlust an Arbeitsplätzen dominierten dort immer deutlicher. (dpa)