Als 14-Jährige hatte die Potsdamerin Luisa viele Berufswünsche. Sie wollte alles werden: Fischer, Fußballspieler, auch Schauspielerin war dabei. „Ich bin jetzt Erzieherin in einem Hort und studiere ab Herbst Pferdewissenschaften in Berlin“, erzählt die mittlerweile 25-Jährige.

Luisa ist eine von zwölf Brandenburgern, die 2004 als Jugendliche von der Landeszentrale für politische Bildung befragt wurde. Nach der ersten Ausstellung 2005 unter dem Thema „Wendekinder“ gibt es von Mittwoch an in Potsdam eine Wiederbegegnung mit den mittlerweile erwachsenen jungen Leuten. Auf Schautafeln werden die Jahre 2004 und 2015 einander gegenüber gestellt.

Bei Luisa ist in den vergangenen zehn Jahren viel passiert, manches so wie geplant, anderes nicht. „Die meisten meiner Standpunkte von damals gelten auch heute noch“, betont die junge Frau. Heute wie damals kann sie sich über Politik aufregen. „Die Menschen müssten mehr einbezogen werden“, meint sie.

Bei der ersten Begegnung vor zehn Jahren hatten die Mädchen und Jungen gerade ihre Jugendweihe hinter sich, erzählt Ausstellungsmacherin Martina Schellhorn. Alle waren noch in der DDR zur Welt gekommen, aber im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen. Ihre Vorstellungen von der Vergangenheit hatten sie über Eltern und Großeltern oder über Filme mitbekommen.

Die Teenager berichteten ohne Scheu über ihre Zukunftswünsche, Träume und Ziele. „Manchmal sprachen sie Themen wie die erste Liebe an, von denen oft nicht mal die Eltern etwas wussten“, sagt Schellhorn. Die Mädchen und Jungen gingen in einem Dorf in der Prignitz, in Wittenberge oder Potsdam zur Schule.

Tim wollte eigentlich Jura studieren, landete dann bei BWL - der vielleicht einzige Unterschied zu damals. „Meine Wertvorstellungen haben sich nicht verändert“, erzählt der 25-Jährige, nachdem er seine alten Aussagen noch einmal gelesen hat. DDR-Geschichte fand er damals interessant. Er ließ sich viel von den Eltern erklären. „Ich gehöre aber zu der Generation, die das alles nicht mehr live mitbekommen hat“, meint er. „Es ist für mich heute kein primäres Thema mehr. Ich sehe mich als Gesamtdeutschen.“

Es sei schwieriger geworden, die jungen Leute zu erreichen, hat Schellhorn festgestellt. Wegen eines Studiums, des Jobs oder der Liebe haben die meisten ihre Heimatorte verlassen. Eine der befragten Brandenburgerinnen studiert jetzt in Istanbul.
Robert ist beispielsweise gerade unter Druck und bereitet sich auf eine Prüfung an einem Technologie-Institut vor. Für das Gespräch mit Schellhorn fand er nur wenig Zeit. Robert wusste schon als Jugendlicher, dass er später in einem Dorf leben will.

Dabei ist es geblieben. „Auf jeden Fall möchte ich eine Arbeit haben, bei der ich zu Hause übernachten kann“, hat der 25-Jährige für sich beschlossen. Für ein geregeltes Leben verzichtet er lieber auf Gehalt. Luisa ist gespannt, wohin es sie nach dem Studium in Berlin verschlägt. Und Tim weiß eines genau: nach Wittenberge geht er nie zurück - das sagte er schon als Jugendlicher. (dpa)