Etwas neidisch blickt Jörg Seegers, der Chef der Projektgesellschaft für den Neubau der U-Bahn-Linie 5, auf die Baustelle: Dort dreht sich das weiße Schneidrad unaufhörlich, als ob es sich gleich durch den Boden wühlt; und ein Bagger verlegt im Tunnel dahinter schon die Gleise. Schade, dass es in der Wirklichkeit nicht so schnell geht. Denn die Baustelle ist ein Spielzeug und nur Mini – nachgebaut aus Hunderten Legosteinen.

Das Legoland am Potsdamer Platz kooperiert mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Im Miniland, wo schon Reichstag, Brandenburger Tor, Schloss und Stadtbahntrasse stehen, wird nun auch der Tunnel der U5 unter dem Boulevard Unter den Linden nachgestaltet. Auf der etwa 17 Meter langen Strecke soll es vier Bahnhöfe geben, zwei U-Bahn-Züge werden hin und her fahren, sagt Sprecher Jonas Müller. Insgesamt werden dafür 200.000 handelsübliche Legosteine verbaut. Die BVG hat ihre Pläne und Simulationen der Bahnhöfe zur Verfügung gestellt, Geld gibt sie nicht.

Jörg Seegers sagt zu dem Spektakel „toll“. Und er kann sich darüber freuen, weil sein U5-Projekt offenbar so wichtig ist, dass es nachgebaut wird und in einer Reihe mit berühmten Gebäuden steht. Dazu zählt aber auch der Flughafen BER, der zwar im Miniland schon bestaunt werden kann, dessen tatsächliche Fertigstellung in Schönefeld Planern und Politikern aber einiges Kopfzerbrechen bereitet. Dass für die Mini-U5 nur ein Jahr Bauzeit benötigt wird, macht den Projektchef nicht nervös. Im wirklichen Leben ist solch ein Zeitplan für die 1,6 Kilometer lange Tunnelstrecke vom Roten Rathaus zum Brandenburger Tor natürlich unrealistisch.

Fahrbahn wird freigegeben

Für die Berliner gibt es eine gute Nachricht: Die Verkehrssituation Unter den Linden Ecke Friedrichstraße, wo unterirdisch der neue Kreuzungsbahnhof mit der U6 entsteht, wird sich Mitte Dezember weiter entspannen. Nachdem im August die Friedrichstraße nach teilweise zweijähriger Sperrung komplett für den Verkehr geöffnet wurde, wird am 15. Dezember nun auch die südliche Fahrbahn Unter den Linden zwischen Glinkastraße und Charlottenstraße freigegeben, kündigte Seegers an. Die Baustelleneinrichtung wurde bereits versetzt, die Fahrbahn neu asphaltiert.

Beim Tunnelbau allerdings sieht es komplizierter aus. „Wir sind mit dem Bau noch in der Zeit“, sagt Seegers. Doch der Zeitplan für die Eröffnung der Linie wurde bereits von 2019 auf Mitte 2020 korrigiert. Zu Verzögerungen kam es, weil die Tunnelbohrmaschine Bärlinde fast ein halbes Jahr etwa wegen des hohen Grundwasserdrucks im Bereich des Bahnhofs Museumsinsel still stand. Auch am Tunnelende am Bahnhof Brandenburger Tor gab es Probleme: Im August drangen sechs Kubikmeter Erde, Sand und Wasser in die unterirdische Baugrube ein. Dort gibt es derzeit ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren.

Das führt dazu, dass mit dem Bau der zweiten Tunnelröhre später begonnen werden kann. Ersatzteile, die für Bärlinde jetzt neu bestellt werden müssen, werden erst im Februar und März geliefert. „Wir rechnen damit, dass wir Anfang April mit Bärlinde wieder losfahren können“, so Seegers.

Auch die Baukosten haben sich von 433 Millionen Euro auf 525 Millionen Euro erhöht. Wie es in einer Vorlage an das Abgeordnetenhaus heißt, sind auch die eingeplanten finanziellen Reserven etwa für Unvorhergesehenes beim Rohbau inzwischen „nahezu ausgeschöpft“.