Erneut sind viele angehende Grundschullehrer durch die obligatorische Mathematik-Klausur gefallen. Scheiterten im ersten Anlauf im August 36 Prozent der künftigen Lehrer an den Mathe-Aufgaben, waren es nun beim Nachschreibe-Termin sogar 43 Prozent. Das ist besonders brisant, weil die Berliner Grundschulen dringend frisch ausgebildete Lehrer benötigen. Schon jetzt können viele freie Stellen nicht besetzt werden, oft müssen Quereinsteiger aushelfen.

Mehrere Studierende beklagten gegenüber der Berliner Zeitung die als besonders schwierig empfundenen Aufgaben sowie das teils undurchsichtige Korrekturverfahren und unklare Aufgabenstellungen. Bereits im August hatte ein Protestschreiben von Studenten wie berichtet für Aufsehen gesorgt.

Mathepflicht ist noch neu

Die Freie Universität (FU) reagierte nun am Montag endlich auf die seit August vorgebrachte Kritik. Der Fachbereich Mathe und Informatik habe sich intensiv damit auseinandergesetzt, teilte FU-Sprecher Goran Krstin mit. Das Dekanat sei deshalb zu der Auffassung gelangt, dass die verlangten Anforderungen nicht zu hoch gewesen seien. Die umstrittenen Klausuren orientierten sich an gängigen Lehrbüchern und am Rahmenlehrplan, wobei Anschlusswissen an den Stoff der Klassenstufe 5/6 dort ausdrücklich vorgesehen sei. Auch seien alle Fragestellungen in Vorlesung und Tutorien behandelt worden. Allerdings: Klausuraufgaben müssen sich systematisch von Übungsaufgaben unterscheiden, teilte FU-Sprecher Krstin weiter mit. Er räumte ein, dass sich womöglich viele zu lange am ersten Aufgabenteil aufgehalten hätten.

Erst seit einem Jahr müssen angehende Grundschullehrer in Berlin verpflichtend Mathe und Deutsch belegen. Dies sieht das 2014 beschlossene Lehrkräftebildungsgesetz vor. Damit wollte der Senat erreichen, dass wieder mehr fachlich qualifizierte Lehrer Mathe und Deutsch unterrichten. Man hatte aber offenbar nicht damit gerechnet, dass so viele angehende Lehrer die Prüfungen nicht bestehen würden. Die FU arbeite deshalb auch an weiteren Optimierungen der Lehrveranstaltungen, teilte Sprecher Krstin mit. Auch Mathe-Dozentin Christine Scharlach, bei der die Studierenden die Klausuren geschrieben hatten, merkte am Montag an, dass die Studenten auch Tutorien und Angebote für das betreute Lernen annehmen. Verbessern könne man auch sicher etwas.

Weiterer Nachschreibe-Termin

Ein weiterer Nachschreibe-Termin für das umstrittene Modul „Mathematisches Professionswissen“ ist zum Ende des Wintersemesters vorgesehen. Scharlach und andere Dozenten geben zu bedenken, dass gerade Studierende aus Berlin mit überschaubaren Mathe-Kenntnissen an die Unis kommen. „Da wird an den Schulen oft nicht genug gelernt“, hieß es. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob es nicht im Studium stärker um die Mathe-Didaktik gehen soll. Also darum, wie Mathematik Grundschülern kindgerecht zu vermitteln ist.

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