Überraschend deutlich haben sich die Fachpolitiker der SPD gegen den aktuellen Gesetzentwurf zur Neugestaltung der Berliner Lehrerausbildung ausgesprochen. „So wie sich der Entwurf nun liest, führt das in eine Katastrophe“, sagte Matthias Trenczek, einer der beiden Vorsitzenden des Fachausschusses Stadt des Wissens.

In einer Stellungnahme an SPD-Fraktion und Landesvorstand hat die Steuerungsgruppe des Fachausschusses sämtliche Bedenken zusammengetragen. Anders als die CDU halte man an einem einheitlichen Studiengang für das Lehramt an Sekundarschulen, Gymnasien und den Oberstufen der Berufsschulen fest. Die CDU-Haltung, eine unterschiedliche Ausbildung für Gymnasial- und Sekundarschullehrer umzusetzen, sei „rückwärtsgewandt, klientel- und standespolitisch orientiert“, heißt es in dem Schreiben.

Fehlender Praxisbezug

Heftige Kritik übten die SPD-Fachpolitiker wie Monika Buttgereit an der geplanten Reform der Grundschullehrerausbildung. Ein angehender Lehrer sollte wenigstens ein Fach komplett studiert haben. Doch nun solle vorgeschrieben werden, dass jeder angehende Grundschullehrer zwingend die Lerninhalte für Deutsch und Mathematik studieren muss. „Ein Gesetzentwurf, der faktisch nur diejenigen an Grundschulen unterrichten lassen wird, die Deutsch und Mathematik nicht richtig, aber immerhin halbwegs studiert haben müssen, führt schlicht zum Ende der qualifizierten Grundschullehrkräfteausbildung und der sechsjährigen Grundschule“, heißt es. Gerade für den qualifizierten Fachunterricht in den Klassen 5 und 6 soll nicht speziell ausgebildet werden. Auch die Sprachförderung komme im Gesetzentwurf viel zu kurz.

Heftig moniert wird der fehlende Praxisbezug des Studiums. Das Praxissemester müsse schon zu Beginn des Masterstudiums stattfinden, wenigstens ein Praktikum müsse an Brennpunktschulen sein, Mentoren soll es geben. Auch eine hochschulübergreifende, koordinierende Institution nach Hamburger Vorbild sei nötig. Da das alles nicht gewährleistet sei, fordern die SPD-Fachpolitiker das Gesetzgebungsverfahren auszusetzen. Sonst mache man sich unglaubwürdig und gefährde bereits eingeleitete Schulreformen.