Berlin - Künftig soll es in Berlin eine identische Ausbildung für Gymnasial- und Sekundarschullehrer geben. Der neue Studiengang müsste sich am fachlichen Niveau der Gymnasiallehrer orientieren, zugleich solle aber der Umgang mit einer vielfältigen Schülerschaft stärker betont werden, sagte der Bildungsforscher Jürgen Baumert. Er hat mit einer hochrangig besetzten Expertenkommission das neue Konzept im Auftrag des Senats entwickelt.

Bisher gibt es ein Lehramtsstudium für alle Pädagogen bis zur 10. Klasse, die dann an Grund- oder Sekundarschulen unterrichten. Daneben gibt es den Studienrat, der vornehmlich in der gymnasialen Oberstufe unterrichtet.

Die geplante einheitliche Lehrerausbildung stößt aber bereits auf Widerstand: „Wir brauchen keinen Einheitslehrer, sondern eine schulformspezifische Ausbildung“, sagte Ralf Treptow vom Gymnasialleiterverband. Denn ein Gymnasiallehrer wolle alle Schüler zum Abitur führen, ein Sekundarschullehrer biete verschiedene Abschlüsse an.

Hoher Stellenwert für Integration behinderter Schüler

Für alle angehenden Lehrer soll es künftig im zweiten Semester des Masterstudiums auch ein Praxissemester in einer Schule geben. Die Praxisferne der deutschen Lehrerausbildung war schon lange kritisiert worden. Das anschließende Referendariat soll nach Vorstellungen der Kommission einheitlich für alle Lehrer 18 Monate dauern.

Einen eigenen Studiengang wird es auch noch für Grundschullehrer und für Berufsschullehrer geben. Um den Fachunterricht an Grundschulen zu stärken, dürfte künftig eine sprachliche und eine mathematische Grundbildung für angehende Grundschullehrer zwingend vorgeschrieben sein. Dazu sollten Grundschulpädagogen ein weiteres Schulfach als Schwerpunkt studieren, damit gerade in den 5. und 6. Klassen qualifizierter Fachunterricht stattfinden kann.

Die Bildungsgewerkschaft GEW sprach sich bereits gegen eine separate Ausbildung für Grundschullehrer aus, weil Studierende sich dann zu früh festlegen müssten und später beruflich weniger flexibel seien.

Hohen Stellenwert hat für die Baumert-Kommission das Prinzip der Inklusion, wonach behinderten Schülern künftig der Besuch von Regelschulen ermöglicht werden muss. Innerhalb der drei Lehrer-Studiengänge soll deshalb ein Studienschwerpunkt „Sonderpädagogik“ eingerichtet werden. Baumert forderte, dass es statt der geplanten Kompetenzzentren an jeder Schule drei Lehrer mit sonderpädagogischer Ausbildung geben sollte.

Eine den Unis übergeordnete „School of education“ wird es indes nicht geben. Die neue Lehrerbildung könnte nach weiterer Diskussion ab Herbst 2013 starten.