Derzeit entscheidet sich, wie viele der  langjährigen Grundschullehrer künftig mehr Geld verdienen. Die Gewerkschaft Bildung und Erziehung (GEW) verhandelt mit Finanzsenator Matthias Kolatz-Ahnen (SPD) über  ein spezielles Punktesystem. Auf dieser Basis sollen dann   neben den Nachwuchslehrern  auch erfahrene Grundschullehrer zügig in die höhere Gehaltsstufe E13 aufsteigen können. Dann würden sie 500 Euro brutto mehr verdienen – so viel verdienen  Studienräte an Gymnasien und Sekundarschulen.

„Wir erwarten bald ein Ergebnis“, sagte GEW-Landeschefin Doreen Siebernik. In einem GEW-Mitgliederbrief, der der Berliner Zeitung vorliegt, ist die Rede davon, dass diese Regelung für eine „große Gruppe“ der gut 15 000 Beschäftigten erreicht werden könnte. Punkte geben soll es nach GEW-Angaben für Berufserfahrung, besondere Funktionen und Fortbildungen.

Berlin hat eine  bundesweit einziartige Anhebung des Grundschullehrergehaltes bereits beschlossen.  Sie soll ab Sommer  zunächst nur für Grundschullehrer gelten, die nach dem neuen Lehrkräftebildungsgesetz studiert haben. Denn diese Lehrer studieren genauso lange wie Oberschullehrer,  und auch das Referendariat dauert gleich lang.  Vor allem an Grundschulen ist der Lehrermangel  besonders groß. Mit der Gehaltserhöhung will man den Beruf des Grundschullehrers attraktiver machen.

Ältere Lehrer, die die nötige Punktzahl noch nicht erreichen, können diese „zeitnah durch die Teilnahme an Fortbildungen nachholen“, heißt es in dem Brief.  „Wir wollen, dass die neue Regelung auch für möglichst viele Lehrer gilt, die schon länger dabei sind“, betonte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). An Grundschulen befürchtet man bereits eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ wegen der unterschiedlichen  Bezahlung, wie eine Schulleiterin sagte.

Doch mit Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) gibt es noch erheblichen Abstimmungsbedarf, was das Punktesystem angeht. „Das wird noch ein weiter Weg, aber wir sind unterwegs“, sagte Kollatz-Ahnen. Das klingt   nach schwierigen Verhandlungen. Offenbar geht es  um die Frage, ab wann ein Lehrer überhaupt die Voraussetzungen für den Gehaltssprung erfüllt. Muss er dafür so studiert haben, das er die Voraussetzungen für eine Verbeamtung erfüllen würde? Oder muss er nur eine zeitlich überschaubare Fortbildung absolvieren?

Hier befürchten einige Verwaltungsbeamte die Aushöhlung des Laufbahnrechtes. Kurios ist dabei, dass Berlin Lehrer zwar nicht mehr verbeamtet, sondern als Angestellte beschäftigt, sie aber  weiter wie Beamte behandelt werden. Klar ist, dass bestimmte Quereinsteiger oder Willkommenklassenlehrer nicht in die höhere Gehaltsstufe kommen. Bei der GEW geht man davon aus, dass aber deutlich mehr als die Hälfte der langjährigen Grundschullehrer aufrücken. Strittig ist, inwieweit Konrektoren  besser bezahlt werden. Derzeit ist  jede dritte Konrektoren-Stelle  vakant.

Höchste Gehaltsstufe bis 2022

Eine Einigung gibt es indes bei der Gehaltszulage für neu eingestellte Lehrer.  Alle, die bis zum Jahr 2022 eingestellt werden, erhalten weiter gleich die höchste Gehaltsstufe, die sogenannte Erfahrungsstufe 5. Mit dieser Regelung versucht Berlin mittlerweile seit 2010, im Wettbewerb mit anderen Bundesländern qualifizierte Lehrer für sich zu gewinnen. Diese Berliner Extrawurst ist in der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) höchst umstritten, in Sachsen etwa verdienen angestellte Lehrer deutlich weniger. Vielleicht hat es geholfen, dass Kollatz-Ahnen derzeit TdL-Vize ist.