Berlin - In diesem Jahr wird das Land Berlin so viele Lehrer einstellen wie seit langer Zeit nicht mehr. Zum zweiten Schulhalbjahr, das im Februar beginnt, sollen allein 800 neue Pädagogen gefunden sein. Für das ganze Jahr will die Bildungsverwaltung über 2000 Lehrkräfte einstellen.

Doch weil die Bewerberlage keinesfalls üppig ist, sucht Berlin nun auch in Bayern nach Lehrern. Denn dort werden 600 Referendare, die gerade ihr Referendariat beendet haben, nicht in den heimischen Schuldienst übernommen. In einem Brief an bayrische Schulleiter fordert das Münchner Kultusministerium die Direktoren auf, ihre Referendare auf eine mögliche Bewerbung in Berlin aufmerksam zu machen. Dort bestehe erhöhter Bedarf in zahlreichen Fächerverbinden, während in Bayern die Einstellungssituation auch in absehbarer Zukunft ungünstig sei.

Abschlussnote 3 reicht aus

Beigelegt ist dem Brief ein Flyer der Senatsbildungsverwaltung, der unter den beschäftigungslosen bayrischen Junglehrern für Berlin wirbt. Wie ernst es dem Senat ist, zeigt die Ankündigung, dass im Februar zwei Informationsveranstaltungen für Bewerber aus Bayern durchgeführt werden. Die Neigung, in den preußischen Norden zu ziehen, hält sich in Grenzen. Die Berliner Schülerschaft gilt vielen als problematisch, vor allem aber verdienen die Lehrer weniger als in Bayern. Denn Berlin verbeamtet nicht mehr, benötigt nun aber wegen einer Pensionierungswelle besonders viele neue Lehrer.

Der Bildungsverwaltung ist es nach eigenen Angaben gelungen, bereits 575 der 800 Stellen für Februar zu besetzen. Man hatte den Berliner Referendaren weitreichende Einstellungsgarantien gemacht, in vielen Fächern, die als Mangelfächer deklariert wurden, reicht nun die Abschlussnote 3 aus.

Bewerber sind wählerisch

Bei den zentralen Bewerberrunden, wo sich Bewerber einzeln einer Runde von Schulleitern vorstellen, zeigte sich bereits, wie dünn die Bewerberlage ist. Von über 150 eingeladenen Kandidaten für Englisch kamen nur knapp 40. Viele Bewerber wollten partout nicht an Brennpunkt-Schulen oder in Randlagen wie Spandau unterrichten. Deshalb fordert die GEW-Schulleitervereinigung nun ein neues Verfahren. „Es ist zunehmend unwürdig für Schulleiter aus schlecht beleumundeten oder weiter entfernten Regionen, sich den extrem wählerischen Bewerbern anbieten zu müssen“, so Vorstandsmitglied Lothar Semmel.