An Berliner Grundschulen in Stadtteilen mit sozialen Problemen unterrichten überproportional viele Quereinsteiger. Das geht nun auch aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt. 

Demnach unterrichteten im Schuljahr 2017/2018 durchschnittlich 6,5 Prozent von ihnen in Berlin. An Schulen, an denen der Anteil der armen, lernmittelbefreiten Kinder die 80-Prozent-Marke überschreitet, sind es jedoch durchschnittlich zehn Prozent. Und während an 16 Prozent der Berliner Schulen gar keine Quereinsteiger unterrichten, liegt ihr Anteil an einem Fünftel der Schulen sogar bei mehr als zehn Prozent.

Das Problem: Ausgerechnet dort, wo der Förderbedarf am größten ist, werden also Lehrer ohne volle pädagogische Ausbildung eingesetzt. Was in Berlin schon länger als Problem bekannt ist, wird nun durch konkrete Zahlen erhärtet.

Bildungssenatorin hält Einstellung von Quereinsteigern für alternativlos 

Der hohe Anteil von Quereinsteigern in Brennpunkt-Schulen sei äußerst beunruhigend, sagte Norman Heise vom Landeselternausschuss (Lea). Die Studie unterstütze zudem die Lea-Forderung, keine Quereinsteiger in der Schuleingangsphase unterrichten zu lassen. „Die Statistik erfasst nur, wer momentan in einer entsprechenden Ausbildungsphase ist“, monierte Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung. Danach würden die Quereinsteiger „unsichtbar gemacht“.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) kritisierte auf Anfrage die Studie als nicht aktuell. „Bei der Entwicklung der Maßnahmen zur Unterstützung der Quereinsteigenden ist Berlin inzwischen wesentlich weiter: Absenkung der Unterrichtsverpflichtung, Patenschaftsmodelle zur Begleitung, Qualifizierungskurse“, sagte sie. Zudem sie es alternativlos, Quereinsteiger einzustellen. „Dass diese Situation für alle Beteiligten anstrengend ist, steht außer Frage“, sagte sie. Klar ist: Die Zahl der Quereinsteiger wächst weiter.

Die Autoren der Studie fordern unter anderem eine Obergrenze für Quereinsteiger pro Schule und eine Absenkung der Unterrichtsverpflichtung. Letzteres würde allerdings den Lehrermangel noch vergrößern. Zudem regen sie eine "Willkommenskultur" für Quereinsteiger an Schulen an sowie ein Mentorenprogramm.