Lehrermangel: Jeder dritte neue Lehrer ist ein Quereinsteiger

Berlin - Zum nächsten Schuljahr muss Berlin angesichts des Lehrermangels wieder massiv auf Quereinsteiger zurückgreifen. Erneut dürften fast ein Drittel der neu eingestellten Lehrkräfte also Personen sein, die nicht auf Lehramt studiert haben, sondern oft etwas völlig anderes. „Wir gehen davon aus, dass der Anteil ähnlich hoch sein wird“, bestätigte Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung, der Berliner Zeitung auf Anfrage. Womöglich falle der Anteil etwas geringer aus.

Längst gibt es Kritik an dieser Einstellungspraxis. „Gerade an den Grundschulen, wo die meisten Stellen zu besetzen sind, passen diese Bewerber immer seltener zur Schülerschaft“, kritisiert Dieter Haase, Vize-Vorsitzender des Gesamtpersonalrates. Er nannte als Beispiel studierte Philosophen, die Schwierigkeiten hätten, eine kindgerechte Sprache zu verwenden.

Es wird an Qualität mangeln

1300 Stellen sind allein zum neuen Schuljahr zu besetzen. Derzeit habe man gut 980 regulär ausgebildete Lehrer, die bereits einer Schule zugesagt hätten, führte Stoffers aus. Man hoffe, dass die Zahl dieser sogenannten Laufbahnbewerber noch steige, womöglich auf 1000. Der Rest muss mit Quereinsteigern aufgefüllt werden. „Quantitativ wird es klappen, aber an Qualität wird es mangeln“, sagt Haase.

Derzeit laufen Einstellungsrunden mit Quereinsteigern. Personalräte wie Haase sind dabei besonders irritiert über die teils mangelnden Deutschkenntnisse von Bewerbern. „Man mag mitunter kaum glauben, dass sie tatsächlich ein Sprachzertifikat haben“, sagte Dieter Haase.

DDR-Lehrer schlechter gestellt

Insgesamt besetzt Berlin allein in diesem Jahr 2250 Lehrerstellen neu. Der Bedarf wird auch wegen der vielen Pensionierungen und der steigenden Schülerzahlen in den nächsten Jahren ähnlich hoch sein. Erschwerend kommt hinzu, dass in Berlin jeder vierte Lehrer in Teilzeit arbeitet, besonders häufig Frauen. Würden sie voll arbeiten, müssten nicht so viele Quereinsteiger eingestellt werden, sagen Fachleute.

Im vorigen Schuljahr mussten 1061 der Quereinsteiger wegen mangelnder Qualifikation nachstudieren. Jeder Fünfte wies keine fachliche Vorbildung vor. Am größten ist der Personalbedarf an Grundschulen. Dort werden seit Jahren viele offene Stellen auch mit Studienräten besetzt, die eigentlich fürs Gymnasium ausgebildet wurden.

5100 Euro Brutto - einmalig in Deutschland

Damit Grundschulen attraktiver werden, zahlt Berlin frisch ausgebildeten Grundschullehrern ab kommendem Schuljahr genau so viel Gehalt wie Studienräten. 5100 Euro brutto. Einmalig in Deutschland.

Durch Fortbildung und Berufserfahrung sollen auch langjährige Grundschullehrer in den Genuss der Höherstufung kommen. Doch nun schlägt die GEW Alarm: Im Entwurf der neuen Laufbahnverordnung finde sich keine Regelung, wie diese Höherstufung zustanden kommen soll. „Entgegen jeglichen Zusicherungen“, teilte GEW-Tarifexperte Udo Mertens mit. Überraschend würden zudem ehemalige DDR-Lehrer für die unteren Klassen gar nicht erfasst. „Nach teils mehr als 30 Jahren an Grundschulen werden sie von einer Höhergruppierung ausgeschlossen“, sagte Mertens. Das werde die Gewerkschaft nicht hinnehmen. Zu hören ist aber, dass die Verwaltung an einer Qualifizierungs-Verordnung arbeitet.