Berlin - Mit Trommeln, einem Vibraphon und diversen Blasinstrumenten sorgten Musikschullehrer am Freitag für schrille Töne vor der Senatsbildungsverwaltung. Molltöne dominierten. Kontrabass-Lehrer Dirk Strakhof war mit Kollegen gekommen, um ein ganzes Paket mit Unterschriftenlisten zu übergeben. Denn in wenigen Wochen haben 21.186 Bürger die Protestresolution gegen die neuen Honorarverträge für die mehr als 1600 freiberuflichen Musikschullehrer unterschrieben. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) schickte ihre Sprecherin Beate Stoffers vor, um die Listen in Empfang zu nehmen.

Die Musikschullehrer protestieren dagegen, dass sie künftig kein monatliches Pauschalhonorar mehr erhalten, sondern jede Unterrichtsstunde einzeln abrechnen müssen. In den Ferien haben sie kaum noch Einnahmen. Durch die Neuregelung würden sie 3,2 Prozent weniger verdienen, haben die Musikschullehrer errechnet. Statistisch kommt ein Berliner Musikschullehrer ohnehin nur auf ein Jahresbruttohonorar von 12 500 Euro. Nicht selten noch weniger. „Ich bin derzeit in Erziehungszeit“, rief eine Honorarkraft Scheeres Sprecherin zu. „Da bekomme ich kein Geld und weiß auch nicht, ob ich wieder Beschäftigung an der Musikschule finde.“

Deal mit Rentenversicherung

Die Honorarverträge mussten überarbeitet werden, nachdem die Deutsche Rentenversicherung bei einer Überprüfung festgestellt hatte, dass viele Honorarkräfte scheinselbstständig sind – also maßgeblich nur von Einnahmen aus der Musikschultätigkeit lebten. Daraufhin drohte Berlin eine millionenschwere Nachzahlung in die Sozialkassen. Um das abzuwenden, einigte sich der Senat mit der Rentenversicherung auf neue Honorarverträge. Ohnehin dürfen Musikschullehrer meist nicht länger als 30 Dreiviertelstunden pro Woche Unterricht geben. Obwohl sich viele zunächst weigerten, haben laut Scheeres inzwischen gut 70 Prozent der freien Musikschullehrer unterschrieben. Die Verträge sollen ab 1. August gelten.

Berlin hat von allen Großstädten mit etwa 94 Prozent die höchste Quote an freiberuflichen Musikschullehrern. Auch Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) räumte nun in einem Schreiben an die Musikschulen ein, dass der Anteil von Festangestellten mittelfristig bei 20 Prozent liegen sollte. Die verantwortlichen Bezirkspolitiker entgegnen aber, dass sie doch weitere Stellen abbauen sollen.

Gernot Schulz vom Förderverein der Leo-Borchard-Musikschule in Steglitz-Zehlendorf wirft dem Senat vor, die Musikschulen jahrelang ignoriert zu haben. Der einstige Schlagzeuger der Berliner Philharmoniker weist in einem offenen Brief darauf hin, dass viele Musikschullehrer von Altersarmut bedroht sind. Unklar ist, ob die Verwaltung die nun verlangten Einzelabrechnungen der Musikschullehrer überhaupt zügig bearbeiten kann. Immerhin soll ein neues IT-System zum Einsatz kommen.