Mit Ausnahme der Bezirke Charlottenburg und Mitte verzeichnet ein Gutachten, das für den Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) erstellt wurde, ein Ende des Berliner Mietanstiegs. 
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BerlinIn Berlin und in anderen deutschen Großstädten bahnt sich nach Expertenansicht ein Ende des starken Mietanstiegs an. Grund dafür ist, dass sich das Bevölkerungswachstum verlangsamt, während gleichzeitig der Wohnungsneubau stärker in Schwung kommt.

Professor Harald Simons vom privaten Empirica Institut sagte am Dienstag bei der Vorstellung des Frühjahrsgutachtens des Rats der Immobilienweisen, dass das Angebot an neuen Wohnungen in den sogenannten Top-7-Städten im Jahr 2019 stärker als die Nachfrage gestiegen sei. Zu den Top-7-Städten gehören Berlin, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg, München, Köln und Frankfurt. Zwar seien die Mieten für freie Wohnungen bundesweit im vergangenen Jahr noch um 3,5 Prozent gestiegen, so Simons, doch fiel der Anstieg damit weniger stark aus als im Vorjahr, als die Angebotsmieten um 3,8 Prozent kletterten. „Die Zeiten der starken Mietanstiege in den Top-7-Städten scheinen vorbei“, sagte Simons.

Nur in Mitte und Charlottenburg weiter steigende Mieten

Berlin laufe dabei vorneweg. Hier gebe es einen „Trendbruch“. Im Gutachten, das für den Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) erstellt wurde, spricht Simons davon, dass die mittlere Angebotsmiete für freie Wohnungen in Berlin im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent gesunken sei. Begonnen habe der „Trendbruch“ im unteren Marktsegment der preisgünstigsten 25 Prozent der Wohnungen. Dazu gehören beispielsweise Häuser in einfachen Lagen wie in Charlottenburg-Nord oder am äußeren Rand von Marzahn. In Mitte und Prenzlauer Berg seien dagegen noch weiter anziehende Mieten festzustellen.

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„Wer ist so verrückt und kauft noch in Berlin?“

Simons hatte vor Jahren vorhergesagt, dass sich die Mietentwicklung nicht wie in den vergangenen Jahren fortsetzen werde, wenn sich das Angebot an Wohnungen erhöhe, während die Zuwanderung abnehme – und in der Folge ein Sinken der Kaufpreise prognostiziert. Am Dienstag räumte der Experte ein, dass die Kaufpreise nicht sinken.   „Ich frage mich seit Jahren, wer ist so verrückt und kauft noch in Berlin?“ sagte Simons.

Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sind im vergangenen Jahr in den sieben großen Städten unvermindert gestiegen – im Schnitt um 9,7 Prozent. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Preisanstieg in Hamburg, Düsseldorf, Köln und Stuttgart stärker ausgefallen, in Berlin, Frankfurt und München hat er sich dagegen etwas abgeschwächt. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen steigen damit seit Jahren stärker als die Neuvertragsmieten. Die Ursache: niedrige Zinsen. Diejenigen, die in Wohnimmobilien investieren, setzen dabei weiter auf steigende Preise. Schon jetzt geht jedoch nicht jede der Rechnungen auf, weiß Harald Simons. Es gebe in Berlin Bauprojekte, bei denen die erwartete Miete nicht eingenommen werde. Auch bei städtischen Wohnungsunternehmen.

Verstärkte Zuwanderung ins Berliner Umland

Laut dem Gutachten ist damit zu rechnen, dass sich die Anspannung auf den Wohnungsmärkten in den Top-7-Städten 2020 nicht verschärft. Ob sich die Märkte sogar entspannen, hänge davon ab, ob die Investitionsneigung der Wirtschaft erhalten bleibe und weiter gebaut werde. Carolin Wandzik vom Gewos-Institut, die in dem Gutachten ein Kapitel über Wohnimmobilien in ländlichen Räumen verfasst hat, warnt vor übereilten Schlussfolgerungen für Berlin. Es sei zwar in der Tat so, dass die Zuwanderung nach Berlin weniger stark sei, sagte sie. Die Einwohnerzahl im Berliner Umland lege dafür extrem stark zu. „Es ist nicht so, dass sich die Wohnungsmarktregion Berlin entspannt“, so Wandzik.

Die Berliner Bundestagsabgeordnete Lisa Paus (Grüne) sagte: „Eine Verlangsamung der Mietsteigerungen ist kein Anlass zum Aufatmen.“ Wohnraum bleibe ein attraktives Anlageprodukt. Instrumente wie Mietpreisbremse und Mietendeckel seien „die Notbremse gegen Spekulation“.