Nun ist also auch Nummer sieben startklar. Nach Nextbike, Lidl-Bikes, Donkey Republic, Mobike, Obike und Byke Mobility wird in Kürze das Unternehmen Limebike aus dem Silicon Valley auf dem geradezu explodierenden Berliner Markt für Leihfahrräder mitmischen. Anfang April, so ist es geplant, sollen die ersten Zweiräder in die Stadt kommen. Mehrere Hundert werden es sein. Eine genaue Zahl nennt man noch nicht. Ein Sprecher verweist auf laufende Gespräche mit dem Senat.

Bislang stehen in Berlin bereits mehr als 10.000 Fahrräder der Allgemeinheit zur Verfügung. Sie lassen sich per App orten und entriegeln. Ist die Fahrt beendet, werden sie einfach abgestellt. Kassiert wird automatisch. Mit dem ursprünglichen Fahrradverleih hat das kaum noch etwas zu tun. Bikesharing ist ein Geschäftszweig, der längst von der Digitalwirtschaft übernommen wurde und dem Großstädter die Möglichkeit bietet, etwa die letzten Meter von der Bus- oder Bahnstation zum finalen Ziel oder umgekehrt bequem und zügig mit dem Rad zurückzulegen.

Verkaufsprofi anstatt Verkehrsexperte

Limebike wurde erst im vergangenen Jahr in den USA gegründet und rangiert mit inzwischen rund einer Million Vermietungen und 35.000 Fahrrädern an der Spitze der stationslosen Fahrradverleiher in den USA. Möglich machten das zahlreiche Investoren. Erst in der vergangenen Woche sammelte das Start-up weitere 70 Millionen US-Dollar ein. Damit soll nun vor allem die Expansion nach Europa vorangetrieben werden.

Nachdem man im Dezember den Markt mit Tests und jeweils rund 500 Fahrrädern in Frankfurt am Main und Zürich sondierte, soll jetzt in Berlin das Marktdebüt erfolgen. „Wir wollen dazu beitragen, das Mobilitätsproblem auf der ersten und letzten Meile zu lösen“, sagt Limebike-Chef Toby Sun, der ebenfalls weder Rad- noch Verkehrsexperte ist, sondern Verkaufsprofi, der zuvor für Pepsi weltweit die Markteinführungen neuer Produkte steuerte.

Ein Euro je 30 Minuten

Im Gegensatz zu den bereits agierenden Verleihern, wird Limebike allerdings nicht nur klassische Fahrräder im Angebot haben, sondern auch solche mit elektromotorischer Unterstützung und gleichermaßen aufgerüstete Tretroller. Limebike versteht sich als Anbieter smarter Mobilitätslösungen und tritt damit nicht nur gegen die Fahrradanbieter an, sondern auch gegen E-Scooter-Verleiher wie Emmy und Coup, die in Berlin mit rund 1600 Rollern vertreten sind. 

Ein vollgummibereiftes Limebike-Fahrrad soll in Berlin einen Euro je 30 Minuten kosten. Für ein E-Bike wird ein Euro Startgebühr und je ein weiterer pro angefangene zehn Minuten verlangt. Der Roller-Preis steht noch nicht fest.

Weiterer Fahrradzuwachs zu erwarten

So will Limebike mit dem Verleih der aus chinesischer Produktion stammenden Fahrräder in Berlin Geld verdienen. Schon eine Vermietung pro Tag und Bike würde die Fahrt in die Gewinnzone sichern, sagt ein Limebike-Sprecher, der zugleich versichert, dass keine personenbezogenen Daten erhoben würden. Bewegungsprofile würden aber durchaus ermittelt und der Stadt bei Bedarf zur Verfügung gestellt, die diese Informationen für die Verkehrsplanung nutzen könne.

Unabhängig davon ist weiterer Fahrradzuwachs in Berlin zu erwarten. Ofo aus Peking will mit bis zu 10.000 Rädern nach Berlin kommen, und Mobike seine Flotte auf ebenfalls 10.000 verfünffachen.