In dieser Woche werden von den Ordnungsämtern vermehrt die Hundehalter kontrolliert.
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BerlinDie Ordnungsämter der Bezirke gehen in dieser Woche verstärkt gegen Hundehalter vor, die sich nicht an die Leinenpflicht halten. Für den stadtweiten Schwerpunkteinsatz, der bis Sonntag dauern soll, schicken sie einen Großteil ihrer Mitarbeiter auf die Straßen und in die Parks.

Corinna Rosenthal (links) und Janine Jäger kontrollieren Hundehalterin.
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Corinna Rosenthal und Janine Jäger vom Ordnungsamt Mitte sind eines der Zweiter-Teams, die seit Montagfrüh zu gezielten Kontrollen ausrücken. Ihr Revier, der Volkspark Rehberge, gehört zu den Orten mit besonders vielen Verstößen gegen das Berliner Hundegesetz. „Zahlreiche Spaziergänger beschweren sich über freilaufende Hunde“, sagt Jäger.

Mit Pfefferspray und Schlagstock für Leinenpflicht

Im Einsatz müssen die Frauen damit rechnen, dass Hundehalter aggressiv und beleidigend auf Ermahnungen reagieren. Zum Schutz tragen die Ordnungsamtsmitarbeiterinnen Pfefferspray und Schlagstöcke bei sich. „Dass die Leute bei Beanstandungen durchweg freundlich bleiben und einsichtig sind, ist nicht selbstverständlich“, sagt Jäger.

Auf Hundestreife im Volkspark Rehberge verschaffen sich die Kontrolleurinnen am Montag zuerst einen Überblick. Mit einem VW-Bus des Ordnungsamts fahren sie über die Parkwege und halten Ausschau nach Hundehaltern, die ihre Tiere ohne Leine laufen lassen. Seit 1. Januar gilt in Berlin die allgemeine Leinenpflicht für Hunde in der Öffentlichkeit. Zwar gibt es viele Ausnahmen, aber in geschützten Grünanlagen ist keine Abweichung gestattet.

Leinenpflicht für den besten Freund des Menschen
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Über die Frage, ob ihre Einsätze manchmal ohne festgestellte Verstöße enden, können die Kontrolleurinnen nur müde lächeln. Tatsächlich dauert es am Montag nur Minuten, bis Janine Jäger und Corinna Rosenthal aus ihrem VW-Bus aussteigen und die erste Parkbesucherin ansprechen. Man kann sich das wie eine polizeiliche Verkehrskontrolle vorstellen. Nur muss statt dem Führerschein der Personalausweis vorgezeigt werden. „Wir haben gesehen, dass Sie Ihren Hund nicht an der Leine führen“, sagt Janine Jäger zu der etwa 25-jährigen Hundehalterin.

Für den Verstoß sei ein Bußgeld vorgesehen. Wortkarg und widerwillig dreinschauend lässt die Hundehalterin die Prozedur über sich ergehen. Die Kontrolleurinnen bleiben betont freundlich. Mit einem Chipgerät lesen sie den Registrierungschip aus, den der Hund unter der Haut trägt. Sie kontrollieren die Steuermarke und Halteradresse am Halsband des Tieres. Das Ganze dauert nur wenige Minuten. „Sie hören dann noch einmal von der Sache“, verabschieden sich die Ordnungsamtsmitarbeiterinnen von der Hundehalterin.

Beleidigung der Ordnungskräfte kostet extra

Wie hoch ein Bußgeld ausfällt, wird noch nicht an Ort und Stelle entschieden. „Der Sachbearbeiter in der Behörde kann später am Computer sehen, ob es der Erstverstoß eines Hundehalters war“, sagt Corinna Rosenthal. Falls ja, werden für einen Verstoß gegen die Leinenpflicht in einer Grünanlage 35 Euro fällig. Falls nein, ist ein höheres Bußgeld möglich. Kommt eine Beleidigung hinzu, können es durchaus 150 Euro sein.

In kurzer Folge ertappen Janine Jäger und Corinna Rosenthal an diesem Montag vier Hundehalter, die ihre Tiere ohne Leine durch den Park laufen lassen. In einem Fall kommt es zu einer Konfrontation: Bei der Kontrolle einer Frau mischt sich ein Passant ein. Er hat ebenfalls einen Hund bei sich und trägt eine Tätowierung am Hals. „Ist ja lächerlich!“, brüllt er. „Ihr zwei wollt Beamte sein, lest doch erstmal das Grundgesetz!“ Es bleibt bei Worten.

Der Mann verzieht sich. Eine Anzeige will er doch nicht riskieren. Die stadtweiten Kontrollen zur Leinenpflicht sollen noch bis Sonntag andauern. Die Ergebnisse werden in der kommenden Woche bekannt gegeben.

Spielregeln für Hund und Herrchen

Leinenpflicht: Seit dem 1. Januar gilt in Berlin die allgemeine Leinenpflicht für Hunde in der Öffentlichkeit. Allerdings fallen rund 80 Prozent der rund 108.700 angemeldeten Hunde unter die zahlreichen Ausnahmen.
Hunderegeln im Park: Auf geschützten Grünflächen müssen alle Hunde an der Leine geführt werden. Auf Spielplätzen haben Hunde keinen Zutritt. Halter sollten mit ihren Tieren Hunde-
Auslaufgebiete besuchen.
Gefährliche Hunde: Für alle Vierbeiner, die aufgrund ihrer Rassenzugehörigkeit als
„gefährliche Hunde“ gelten, gibt es eine Maulkorb- und Leinenpflicht. Ihre Halter müssen einen Sachkundenachweis erbringen.