Berlin - Baustellen-Chef Andreas Fettchenhauer überbrachte die erleichternde Nachricht noch vor der offiziellen Zeremonie: Die beiden Arbeiter, die in der vergangenen Woche nach einem Unfall auf der Baustelle am Leipziger Platz ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, seien mittlerweile auf dem Weg der Besserung. Einer habe das Krankenhaus inzwischen verlassen, der andere müsse wegen einer Hüftfraktur aber noch länger in der Klinik bleiben, sagte Fettchenhauer. Dann durfte gefeiert werden.

Der Berliner Unternehmer Harald G. Huth machte am Mittwoch zusammen mit Fettchenhauer und Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) den ersten Spatenstich für die Erweiterung des Bauprojekts auf dem ehemaligen Wertheim-Areal am Leipziger Platz bis hin zur Wilhelmstraße. Die bisherige Baufläche von 20.600 Quadratmetern wächst dadurch auf fast 34.000 Quadratmeter.

Das entspricht einer Fläche, die ungefähr so groß wie fünf Fußballplätze ist. Durch die geplanten Gebäude soll sich eine Einkaufspassage mit 270 Geschäften ziehen. Geplant sind überdies ein Hotel, Büros, Restaurants und 270 Wohnungen. Die Wohnungen werden in den oberen Geschossen eingerichtet. Sie sollen vermietet werden – zu einem Quadratmeterpreis zwischen zwölf und 20 Euro.

Größtes privates Bauprojekt in Berlin

Der Anspruch für das neue Shoppingcenter ist hoch: „Wir wollen unter den Einkaufscentern in Berlin das KaDeWe sein“, sagt Huth. Die geplante Investition von 500 Millionen Euro auf dem ehemaligen Wertheim-Areal erhöht sich durch die Erweiterung auf 800 Millionen Euro. Das Vorhaben am Leipziger Platz ist damit das größte private Bauprojekt in Berlin. Huth sagte, er investiere „überwiegend familieneigenes Geld“. Obwohl die Arbeiten auf der Erweiterungsfläche mehr als ein Jahr nach dem Baustart auf dem ehemaligen Wertheim-Areal begonnen haben, sollen beide Komplexe bis 2014 fertiggestellt werden.

Mit dem neuen Stadtquartier wird städtebaulich eine Lücke zwischen dem Leipziger und Potsdamer Platz auf der einen Seite und der Friedrichstraße auf der anderen Seite geschlossen. In dem neuen Stadtquartier werden später rund 4 000 Menschen arbeiten, sagte Huth. Vor dem Bau auf der Erweiterungsfläche muss noch ein Bunker des ehemaligen Reichsverkehrsministeriums beseitigt werden, der sich auf dem Areal befindet. Die Arbeiten sind angelaufen, aber noch nicht beendet. Die Katakomben seien „gruselig“ gewesen, berichtete eine Mitarbeiterin. In den Gängen seien Hinweise aus der Nazizeit entdeckt worden, wie „bei Feuersturm hier durch“. Über den Bunker wurde eine Fotodokumentation angelegt.

Das Landesamt für Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) ermittelt unterdessen nach dem Unfall auf der Baustelle in der vergangenen Woche, ob es wegen des Verstoßes gegen das Arbeitsschutzgesetz ein Bußgeld verhängt. Das sagte Lagetsi-Sprecher Robert Rath.Möglich sei ein Bußgeld bis zu einer Höhe von 50.000 Euro.

Bei dem Unglück war ein Verschalungsgerüst für eine Zwischendecke auf einer Fläche von 500 Quadratmetern zusammen gebrochen. Zwei Bauarbeiter wurden dabei schwer verletzt. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot von 40 Einsatzkräften, Notärzten und schwerem Gerät zur Unfallstelle ausgerückt. Grund für den Zusammenbruch sei gewesen, dass das Gerüst nicht wie in den Aufbauschritten vorgesehen errichtet wurde, sagte Rath. Die Konstruktion sei an einem Punkt nicht durch querstehende oder schrägstehende Verstrebungen versteift worden. Dadurch sei das Gerüst in Schwanken geraten und eingestürzt.