Drei Monate Beratung in Sachen Datensicherheit haben den Springer-Vorstand offenbar überzeugt: Christopher Lauer – ehemals Pirat und immer noch Mitglied der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus – hat seit dem 1. April eine feste Stelle im Haus. Der 30-Jährige, bislang nur auf Honorarbasis für Springer tätig, fungiert dort nun als „Leiter Strategische Innovationen“. Seinen Aufgabenbereich umschreibt Springer-Sprecherin Sandra Petersen wie folgt: „Er wird internationale technologische Trends beobachten und auswerten sowie Impulse für neue Entwicklungen in den für Axel Springer relevanten digitalen Märkten geben.“

Dass dies kein mies bezahlter Praktikantenjob ist, erkennt man nicht nur am Titel „Leiter“, sondern auch daran, dass Lauer laut Springer direkt „an den Vorstand“ berichtet, wie es heißt. Untergebene hat er offenbar keine. Vermutlich darf man sich das etwa so vorstellen wie das berühmte (in der Netzsprache: „virale“) Werbevideo, das Springer vor ein paar Jahren in unüblicher Selbstironie veröffentlichte: Ober-Boss Mathias Döpfner blickt da stirnrunzelnd auf einen Web-Sponti mit Umhängetasche, der ihm erklärt: „Content is king and the medium is the fucking message.“

Kaum Chancen auf Wiederwahl

Wenn er die Probezeit übersteht (über die nichts bekannt ist), wäre damit zumindest die wirtschaftliche Zukunft des Politikers gesichert. Lauer, origineller Redner und Zwischenrufer im Landesparlament, zog 2011 als einer von 15 Piraten ins Hohe Haus, bemühte sich mit viel Idealismus um Piraten-Projekte wie Transparenz und Online-Demokratie und war zwischendurch sowohl Fraktions- als auch Parteichef. Im vorigen Jahr trat Lauer aber desillusioniert aus der streitlustigen Partei aus. Innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist er immer noch. Den Piraten, die 2011 fast neun Prozent der Stimmen erreichten, werden in aktuellen Umfragen kaum Chancen auf den Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus bescheinigt.