Die Anfragen häufen sich, das Interesse ist enorm, der Zeitpunkt rückt näher: Internationale Fernsehteams, etwa aus Russland, Frankreich, Japan, England, Italien und Frankreich, wollen dabei sein, wenn im September der 1,70 Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Kopf des Lenin-Denkmals aus der Seddiner Heide in Köpenick ausgegraben und mit einem Schwertransporter in die Zitadelle nach Spandau gebracht wird.

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Kopf hoch, Lenin: Die große Multimedia-Reportage zum Lenindenkmal

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Als Bauarbeiter Ende 1991 das 19 Meter hohe Monument vom früheren Leninplatz (heute Platz der Vereinten Nationen) in Friedrichshain abgetragen hatten und ein Kran den Granitkopf vom Sockel hob, wurden die Bilder des demontierten Granitkopfes schnell weltbekannt. Der Film „Good Bye, Lenin!“ sorgte 2003 erneut für eine große Popularität des Denkmals. Und der erneuten Frage, warum es damals überhaupt abgerissen werden musste.

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Doch wenn nun, 24 Jahre später, der Kopf ausgegraben wird, möchte der Berliner Senat daraus kein mediales Ereignis machen, mag das Interesse noch so groß sein. Außer den direkt Beteiligten wird wohl kaum ein Zuschauer bei der Bergung dabei sein dürfen. „Das wird keine Prozession“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Eine Spezialfirma aus Berlin wird Anfang September den Kopf ausgraben, mit einem Kran auf einen Schwertransporter heben und verhüllt durch die Stadt bis nach Spandau fahren. Erst dort wird das spektakulärste Stück der künftigen Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ der Öffentlichkeit vorgestellt – und eben auch enthüllt.

Offiziell begründet der Senat seine Zurückhaltung mit den strengen Auflagen der Naturschutzbehörde. Die 129 Einzelteile des Denkmals liegen in einem unzugänglichen Waldstück, das für Autos gesperrt ist. Für die Bergungsaktion dürften nur so wenig Fahrzeuge, wie unbedingt benötigt werden, auf das Gelände. Derzeit werden seltene Zauneidechsen, die auf dem Hügel leben, in ein benachbartes Waldstück gelockt. Bäume und Sträucher, die in den vergangenen Jahrzehnten auf den früheren Sandbergen gewachsen sind, sollen unbeschadet bleiben. Für Zuschauer ist da kein Platz im Wald.

Unabhängig von den Auflagen der Naturschützer ist aber auch davon auszugehen, dass der Senat kein großes Interesse daran hat, aus der Bergung eine mediale Liveshow zu machen. Denn noch vor einem Jahr hatte es der Senat strikt abgelehnt, dass der Kopf des russischen Revolutionsführers überhaupt ausgegraben wird. Die Oberste Denkmalschutzbehörde begründete ihre überraschende Entscheidung im August 2014 damit, man wisse ja gar nicht, wo genau der Kopf liege und es sei auch nicht ratsam, den Kopf von den anderen Teilen des Denkmals zu trennen.

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Doch aus internen Unterlagen der Behörde, die der Berliner Zeitung seit damals vorliegen, geht hervor, dass es bereits im April 2014 politische Bedenken der Hausleitung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gab, Lenins Kopf in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Erst nach Protesten von namhaften Historikern und Museumsleitern, darunter auch vom Präsidenten des Deutschen Historischen Museums, Alexander Koch, stimmte der Senat zu, den Kopf für die Spandauer Ausstellung freizugeben. In der Ausstellung werden Monumente aus mehreren Epochen der Berliner Geschichte gezeigt, der Leninkopf ist zentraler Bestandteil der DDR-Geschichte und wird aus historischer Sicht kommentiert.

Insgesamt 14 Millionen Euro kostet der Umbau der denkmalgeschützten Ausstellungsräume in der Zitadelle Spandau, auch das Land Berlin beteiligt sich an den Kosten. Weil die Restaurierung der Räume komplizierter und aufwendiger ist als bisher geplant, wird die Ausstellung wohl erst 2016 eröffnen.