Das Foto mit dem kleinen Löwenbaby auf dem Schoß hat wohl fast jeder Ost-Berliner, der zu DDR-Zeiten Kind war, in seinem Familienalbum kleben. Es war das absolut meisteingesandte Motiv für die Ausstellung zur 60-jährigen Geschichte des Tierparks in Friedrichsfelde, die ab 4. Juli im Affenhaus zu sehen sein wird.

Wir danken allen Leserinnen und Lesern, die unserem Aufruf gefolgt sind und historische Bilder für die Schau zur Verfügung gestellt haben. Zusammen mit alten Bildern aus dem Archiv des Berliner Verlages ergibt sich so ein wunderbarer Überblick über die spannenden Anfangsjahre.

Zu sehen sind Motive, wie sie heute undenkbar wären. Zum Beispiel das Bild vom freilaufenden Elefantenmädchen Kosko, das 1958 mangels eines Geheges frank und frei durch den Tierpark laufen durfte. Der asiatische Elefant war ein Geschenk des vietnamesischen Präsidenten Ho Chi Minh. Oder das Foto von den Kamelen, die ab Bahnhof Lichtenberg am Strick durch die Straßen in ihr neues Zuhause geleitet wurden.

Viele Berliner nahmen Anteil am Wachsen und Werden des am 2. Juli 1955 eröffneten Tierparks. Er war als Gegenstück zum Berliner Zoo gedacht, der im britischen Sektor lag. Tausende freiwillige Helfer arbeiteten im Rahmen des NAW, des Nationalen Aufbauwerks, im Schlosspark Friedrichsfelde oder halfen mit Spenden, damit Tiere eingekauft werden konnten.

Gründungsdirektor Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe verstand es meisterhaft, die Werbetrommel zu rühren. Jeden Sonntag war er jahrzehntelang mit Karin Rohn im Berliner Rundfunk zu hören – „Im Tierpark belauscht“ hieß die populäre Sendung. Außerdem wurden Bärentaufen gefeiert, erhielten Affen Wasser aus Sektpullen zum Geburtstag und erklang Musik auf der großen Freilichtbühne.

Die Hauptstädter liebten ihren Tierpark und kamen stets in Scharen, wenn es etwas Neues zu sehen gab. Am Sonnabend, dem 4. Juli, ist wieder ein guter Anlass hinzugehen. Der 60. Geburtstag wird groß gefeiert. Die Berliner Zeitung veröffentlicht am 2. Juli eine Beilage mit allen Veranstaltungen dazu.