Keine Staus mehr vor Ampeln, keine drängelnden Autos mehr, die Radfahrern in die Quere kommen - klingt doch toll. Die Vision des britischen Stararchitekten Norman Foster gewährt Radlern auf eigenen, höher gelegten Straßen über dem Bahnschienen-Netz freie Fahrt. Für Berlin könnte das Konzept ungefähr so aussehen:

"Über größere Strecken ohne Ampeln und Abgase mit Fahrrädern und Pedelecs fahren zu können, wäre wunderbar", schreibt unser Leser Gotthard Schulte-Tigges dazu. "In Berlin gäbe es bestimmt einige Strecken wie Teilstrecken am S-Bahnring. Die Fahrbahn könnte aus Fotovoltaik-Elementen bestehen und als Doppelnutzen Strom erzeugen, um damit einen Teil der Baukosten zu refinanzieren und obendrein zur CO2- und Atommüll-Verringerung beizutragen." Dass seine Idee mit der Strom erzeugenden Oberfläche nicht abwegig ist, untermauert der Leser mit einem in den USA bereits existierenden Solar-Parkplatz.

Es geht zu langsam voran

Auch Gerd Reinhard Römer spricht sich für Radfahrerstraßen in Berlin aus. "Eine oder besser mehrere ampellose und vor allem autofreie (auch frei von parkenden Autos) Verbindungen von Süd nach Nord und West nach Ost ist schon lange mein Traum - und, nebenbei bemerkt: Mir ist nicht verständlich, warum sich keine Partei definitiv dafür stark macht und dies auch umsetzt." In nahezu allen Ecken und Enden der Stadt käme er als Radler momentan nur langsam voran, schreibt der Leser. Aufgrund der auf Radspuren parkenden Autos oder entladenden LKWs, aufgrund der vielen roten Ampeln, "oder, oder, oder..."

Auf Facebook bezeichnen die Macher der Web-Dokumentation "World Wide Berlin" die Idee als eine nette Utopie:

Anders sieht das unser Leser Ingolf Berger, der sich ebenfalls per Facebook meldete. "Alles andere als eine überzeugende Idee", findet er. "Es ist kaum anzunehmen, dass solche Trassen bei Wind und Wetter eine hohe Akzeptanz genießen würden. Von den exorbitanten Bau- und Unterhaltskosten möchte ich gar nicht reden. Hinzu kommt eine praktisch unmögliche städtebauliche Integration einer solchen Anlage. Damit diese Hochtrassen überhaupt erreicht werden können, bedarf es alle paar hundert Meter lange Rampen durch die Stadtstraßen. Das ganze Teil wäre ein vergleichbar unglaublicher Eingriff, wie der Bau von Stadtautobahnen: hässlich und stadtunverträglich."

Als einzig machbaren Weg, dem Fahrradverkehr mehr Platz zu geben, sieht Berger die Umnutzung von bisher nur Autos zur Verfügung stehenden Flächen. "Aber das ist in Berlin ja ein Tabu - lieber bauen wir hier noch neue Stadtautobahnen."

Ganz ähnlicher Meinung ist Gero Meinen. Es bedürfe keiner Fahrradhighways, sondern der Autoverkehr müsse schrittweise zugunsten des Fahrradverkehrs abgebaut werden. "Ein wichtiger Schritt läge darin, ein tatsächlich nur dem Fahrrad vorbehaltenes Wegenetz über ganz Berlin zu legen. Neben- und Querstraßen dafür gäbe es genug", schreibt er per Email.

Dabei könne folgende Regel gelten: "Wenn es nicht gerade die Bundesallee oder das Adlergestell ist, wird die rechte Spur für den Fahrradverkehr freigehalten und Parken in zweiter Reihe kostet drei Punkte. Was aber auch zu sagen ist: Der Berliner Senat ist schon recht engagiert und den Hamburgern sind wir hundert Luftpumpen voraus."

Kostenträchtige Großbaustelle

Ein Nutzer namens "Teufelsabbiss" argumentiert per Leserkommentar in eine ähnliche Richtung: "Ökologisch wäre es, den Autoverkehr aus der Innenstadt zu verbannen, den ÖPNV auszubauen und Radfahren zu einer gefahrlosen und bequemen Fortbewegungsart zu machen. Solch eine Hochtrasse würde weiterhin den Autos die Stadt überlassen und wäre zudem eine wieder sehr kostenträchtige Großbaustelle. Ich halte das für augenwischenden Unfug."

Per Twitter erreichte uns zudem die Befürchtung einer neuen "Autogerechten Stadt" - ein Konzept aus den 60ern, das jedweden alternativen Verkehr in der Stadtplanung dem Autofluss unterordnet.

Eine andere Schwachstelle thematisiert der Kommentator "HaltetZusammen": "Es ist doch unrealistisch, Fahrräder auf einen Highway in der Luft zu verlagern, dort verschwindet der Vorteil mit dem Rad mal hier und dort problemlos anhalten zu können. Es ist viel zu windig und würde Umwege für An- und Abfahrt bedeuten. Das alles ist für Autos viel besser zu akzeptieren. Aber die sollten lieber unter die Erde, dann sind genug Radwege und Straßen frei."

Kühne Doppelnutzungsideen und Freifahrtsträume auf der einen, Befürchtungen hinsichtlich Wetter, Kosten und noch mehr Betonwüste auf der anderen Seite. Auch das Ergebnis unserer Umfrage fällt zwiegespalten aus:

Einig scheinen sich Befürworter und Kritiker aber in einer Sache zu sein: In Berlin ist man bereits jetzt gern mit dem Rad unterwegs - und die Stadt sollte darum kämpfen, dass das auch so bleibt.