Der Alexanderplatz ist das brodelnde Zentrum im Ostteil Berlins. Nach dem preisgekrönten Entwurf des Architekten Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993 sollten am Alex eigentlich zehn 150 Meter hohe Hochhäuser entstehen. Bislang ist jedoch kein einziges davon gebaut worden. Zu ehrgeizig waren die Pläne.

Die Berliner Zeitung lädt am Mittwoch um 19 Uhr zu einem Leserforum ins Verlagshaus am Alexanderplatz ein. Unter dem Titel „Ist der Alexanderplatz noch zu retten?“ diskutieren Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, Bauhistoriker Thomas Flierl, Architekt Jan Kleihues und der Geschäftsführer von Hines Deutschland, Christoph Reschke, der das erste Hochhaus am Alexanderplatz errichten will. Moderiert wird die Veranstaltung von Nikolaus Bernau (Berliner Zeitung). Ort: Karl-Liebknecht-Straße 29 in Mitte. Der Einlass erfolgt ab 17.30 Uhr, nicht schon um 16 Uhr, wie fälschlicherweise vermeldet wurde. Der Eintritt kostet drei Euro pro Person.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat vor wenigen Wochen in einem Interview mit der Berliner Zeitung erstmals öffentlich Kritik an den 20 Jahre alten Plänen geübt und eine Änderung ins Gespräch gebracht. „Das Problem an dem Plan ist, dass viele neue Gebäude dort errichtet werden sollen, wo bereits Häuser stehen – und dass er damit im Grunde nicht umsetzbar ist“, sagte Lüscher. Viele der bestehenden Gebäude seien mittlerweile saniert worden. „Nach 20 Jahren Hoffen auf die Verwirklichung einer Utopie ist jetzt ein historischer Moment gekommen, um die Hochhausvision unter Berücksichtigung des Bestandes weiter zu denken“, sagt die Senatsbaudirektorin.

Hines-Geschäftsführer Christoph Reschke verteidigt die Hochhausplanung. „Andere Metropolen müssen verdichten – Berlin kann verdichten“, sagt er. „Der Alexanderplatz ist der zentralste Platz mit der höchsten Frequenz und der richtige Standort für Hochhäuser. Ich wähle bewusst den Plural, denn ich erwarte, dass unser Hochhaus den Anstoß geben wird, auch weitere der geplanten Hochhäuser zu realisieren“, sagt Christoph Reschke.

Der Bauhistoriker und Vorsitzende der Hermann-Henselmann-Stiftung, Thomas Flierl, beurteilt die Situation anders. „Der Alex ist zu groß für Berlin: Die beiden Wettbewerbe 1928/29 und 1993 scheiterten an Wirtschaftskrisen und an der Hybris des großen Plans“, diagnostiziert Flierl. „Jetzt muss die Politik eine bestands- und bedarfsorientierte Weiterentwicklung ermöglichen“, fordert er.

Architekt Jan Kleihues, dessen Vater die Pläne zur Umgestaltung der Galeria Kaufhof erarbeitete, zeigt sich offen für die weitere Entwicklung des Platzes. Er sagt über den Alex, was andere immer wieder über Berlin feststellen: „Der Alexanderplatz ist nicht … er wird!“