Endlich autofrei: Fußgänger testen ein ganz neues Flaniergefühl auf der Friedrichstraße.
Foto: Markus Wächter

BerlinEs ist wie verhext mit dieser Straße, sie will einfach nicht werden, was sie soll: Ein schöner Boulevard inmitten einer spannenden Metropole. Aber die Friedrichstraße verweigert sich beharrlich, sich endlich zu entpuppen und bleibt, was sie ist: eine vom Autoverkehr dominierte Durchfahrtsstraße mit zu engen Bürgersteigen und zu wenig Flair, als dass man länger verweilen wollte.

Und damit eine Straße, der andere längst den Rang abgelaufen haben: Das hippere und jüngere Publikum bevorzugt die Torstraße und die überstrapazierte Kastanienallee, Touristen den Bergmannkiez in Kreuzberg, und wer’s krachen lassen will, fährt zum Kudamm, wohin ohnehin schon jene Marken abgewandert sind, die sich nach der Wende von der Friedrichstraße solvente Kundschaft versprachen.

Nur wenige Luxusmarken sind noch übrig, die Quartiere 206 und 205 dümpeln so vor sich hin, und die Galeries Lafayette überlegen, ihre Zelte abzubrechen. Die Marken für die Masse hat sich schon die nahe gelegen Mall of Berlin einverleibt. Wer die Friedrichstraße heute besucht, der trifft höchstens noch Business-Leute und lustlos schlendernde Touristen, die gerade das Geschichtspflichtprogramm am Checkpoint Charlie hinter sich gebracht haben und nun die schnellste Route zum Brandenburger Tor suchen.

Das könnte sich jetzt endlich ändern: Ab Sonnabend wird die Friedrichstraße zwischen der Leipziger und der Französischen Straße für den Autoverkehr gesperrt, die Straße ist dann für Radfahrer und Fußgänger reserviert und könnte endlich zu dem werden, was die Innenstadt dringend benötigt: ein Ort mit Lebensqualität, eine Straße zum Flanieren, ein Platz zum Innehalten. Mehr Luft, mehr Raum, weniger Verkehr. Für das Sorgenkind Friedrichstraße ist es die letzte Chance, sich im Ranking der coolen Straßen Berlins zu behaupten.