Blut-Anschlag in Berlin: Klima-Kleber werden Vorbild für Verschwörungsgläubige

Eine 53-Jährige muss sich vor Gericht verantworten. Sie beschädigte ein Gemälde Toulouse-Lautrecs, um gegen ihre Bestrahlung mit Mikrowellen zu protestieren.

In dem Museum hat eine Frau das Gemälde „Clown“ von Henri de Toulouse-Lautrec und die Wandbespannung mit Kunstblut beworfen und sich daneben an der Wand festgeklebt. 
In dem Museum hat eine Frau das Gemälde „Clown“ von Henri de Toulouse-Lautrec und die Wandbespannung mit Kunstblut beworfen und sich daneben an der Wand festgeklebt. dpa/Christophe Gateau

Die Klima-Kleber machen es vor, und andere tun es ihnen gleich, um auf ihr persönliches Anliegen aufmerksam zu machen: Eine Frau hatte in der Alten Nationalgalerie ein Gemälde mit Kunstblut bespritzt. Dafür muss sie sich jetzt vor Gericht verantworten. Die Berliner Staatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, dass sie vor dem Amtsgericht Tiergarten Anklage wegen gemeinschädlicher und einfacher Sachbeschädigung erhoben habe.

Laut Anklage hatte die 53-Jährige am Nachmittag des 30. Oktober im Ausstellungsraum der französischen Impressionisten eine Flasche Kunstblut über das Gemälde „Clown“ von Henri de Toulouse-Lautrec, den Rahmen, die Wandbespannung und auf das Parkett gespritzt. Danach klebte sie sich mit Sekundenkleber neben dem Gemälde an der Wand fest.

Aufsichtspersonal alarmierte die Polizei, die die Frau von der Wand löste und in Gewahrsam nahm. Weil die 53-Jährige keinen festen Wohnsitz hat, ordnete ein Richter gegen sie Untersuchungshaft an, um das Gerichtsverfahren sicherzustellen.

Das Gemälde selbst war durch eine Glasscheibe geschützt. Gleichwohl schätzt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Kosten für Reinigung und Wiederherstellung von Rahmen, Parkett und Wandbespannung auf mindestens 100.000 Euro.

Einige Tage zuvor hatten Mitglieder der Gruppe Letzte Generation im Potsdamer Museum Barberini ein Monet-Bild mit Kartoffelbrei beworfen und sich daneben festgeklebt. Doch mit den Klima-Klebern hatte die Frau in der Alten Nationalgalerie den Ermittlungen zufolge nichts zu tun. Schon am Tag vorher soll sie in dem Museum Flugblätter verteilt haben. Die Frau ist nach Angaben von Ermittlern fest davon überzeugt, dass dunkle Mächte oder Regierungsstellen sie mit Mikrowellen bestrahlen, um sie zu manipulieren. Dagegen wollte sie mit ihrer Aktion in der Alten Nationalgalerie protestieren.

Ein Verhandlungstermin bei Gericht ist noch nicht angesetzt.