Nicht gerade eine Schönheit, aber bei Techno-Fans sehr beliebt: Der Club Griessmeuhle in Neukölln. 
Foto: Sabine Guddath

BerlinIm Technoclub Griessmuehle an der Sonnenallee 221 wird das Publikum am Wochenende zum letzten Mal in den Beats versinken: Die Veranstaltung „The last Cocktail – XXL“ beginnt am Freitag 23.59 Uhr und endet am Montag 8 Uhr. Damit ist in der einstigen Nudelfabrik in Neukölln nach acht Jahren Schluss mit den Partys, die auch international gepriesen wurden. Solche Orte, wo die Nacht das ganze Wochenende nicht zu Ende geht, sind ausschlaggebend für   Berlins Ruf als coolste Partylocation der Welt – noch vor New York oder London.

Griessmuehle: Club kann bis Mitte Februar räumen

Doch die Clubszene steht unter Druck. Sie siedelte sich – wie die Griessmuehle – oft auf verlassenen Industriegeländen an, um die sich nun die Investoren reißen. Büros oder Lofts sollen entstehen. Die Clubs, die oft als Provisorien begannen und sich dank der vielen Besucher etablierten, müssen schließen.

So ergeht es auch der Griessmuehle. Zu Ende Januar hatte die Firma „S Immo AG“, eine Aktiengesellschaft der Österreichischen Sparkasse, dem Club gekündigt. Dank des Einsatzes von Bezirks- und Landespolitikern sowie der Clubcommission fand sich ein Kompromiss. Der Club kann bis zum letzten Tag feiern und bis Mitte Februar in Ruhe räumen. Der Investor überlegt nach eigenen Angaben sogar, während der Bauphase einen temporären Ort für den Clubbetrieb zu schaffen.

Griessmuehle zieht in Polygon Club und Alte Münze

„Wir werden voraussichtlich nächste Woche Gewissheit erhalten, wie das aussehen könnte“, sagt Griessmuehle-Sprecherin Michaela Krüger. In den nächsten zwei Monaten wird der Club seine Aktivitäten in den Polygon Club in Lichtenberg und die Alte Münze in Mitte verlegen. Auch dabei halfen Politik und Clubcommission. Der Grünen-Abgeordnete Georg Kössler aus Neukölln setzte sich besonders ein. „Es ist total schade, wenn Clubs schließen. Wir haben in Berlin eine besondere Szene mit vielen Nischen, wo tolle subkulturelle Experimente stattfinden können“, sagt er. Er stellte eine Schriftliche Anfrage zur Berliner Clubszene, deren Antwort aus der Wirtschaftsverwaltung der Berliner Zeitung vorliegen.

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Demnach gibt es knapp 500 „Orte mit musikalischem Bezug“ im Clubkataster, einem Register, mit dem der Bestand von Clubs gesichert werden soll und in dem sich die Betreiber selbst ein- und austragen. Nicht alle Orte sind täglich fürs Publikum offen, unter ihnen sind auch Theater, Galerien und Eventlocations. Seit 2010 schlossen etwa 90 Orte. In derselben Zeit haben 77 Orte geöffnet.

Häufiges Problem ist der Lärmschutz. Anwohner beschweren sich, auch wenn der Club vor der Wohnungen existierte. Der Senat richtete einen Lärmschutzfonds ein, aus dem 86.000 Euro an drei Clubs gingen. Weitere 655.000 Euro sind bewilligt. So bekam das Kreuzberger Gretchen 75.000 Euro für Schallschutzmaßnahmen. Der Tresor erhält für 62.000 Euro für eine fünf Meter hohe begrünte Schallschutzwand.

Kössler wünscht sich zusätzlich mehr Aufmerksamkeit der Politik für Clubs. „Der Senat könnte eine externe Sitzung in einem Berliner Club abhalten.“ Laut Wirtschaftsverwaltung sei das „durchaus denkbar“.

50.000 Unterschriften gesammelt

Wichtiger ist ihm ein Antrag, den er mit den Koalitionspartnern von SPD und Linken ins Abgeordnetenhaus einbringen will. Clubs sollen als Kulturorte anerkannt und im Baurecht besser gestellt werden – und der Lärmschutzfonds soll weitergeführt werden. „Es geht auch um Anerkennung der Clubs, die viel zu Berlin beitragen,“ sagt Kössler.

In der Griessmuehle wird bald gepackt. Der Betreiber und die etwa 100 Mitarbeiter wollen den Kampf für eine Rückkehr an die Sonnenallee oder um einen neuen Standort aber nicht aufgeben. Fast 50.000 Leute haben eine Online-Petition unterzeichnet, die den Erhalt des Clubs und der ganzen Szene fordert.