Der Ball der Wirtschaft, bei dessen 64. Ausgabe in der Nacht zum Sonntag mehr als 3 000 Gäste im Hotel Interconti tanzten, zeigte mal wieder: Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller versteht es, zu feiern. Die Austern wurden „Rockefeller Art“ serviert (wie auch sonst?!) und sogar die Reklamationen beim Servierpersonal hatten Klasse: „Herr Ober, in meinem Schaumwein schwimmt ein Halbkaräter!“

Beim Champagnerempfang zu Beginn des Balles bekamen die 200 VIP-Gäste ihren Schampus mit einem glitzerigen Stein kredenzt. Und dazu die Erklärung, dass die Mitarbeiter eines Schweizer Juwelierhauses und Sponsoren gern einen Blick auf den Stein werfen würden („Also bitte nicht herunterschlucken – das würde die Begutachtung sehr erschweren …“). Von den 200 Steinen, die in den Gläsern landeten, waren 198 Zirkonia (und damit in ihrem Wert überschaubar) und zwei Halbkaräter, die – je nach Güte – einige Tausender wert sind. Moderatorin Ulla Kock war ohne Hoffnungen: „Wenn ich auf der Kirmes für 100 Euro Lose kaufe, gewinne ich noch nicht mal ein Urmel aus dem Eis …“ Großfleischer Jürgen Wache verstaute sicherheitshalber auch den Stein aus dem Glas seiner Frau. Der gegen das, was an ihren Ohren hing, niedlich wirkte... Moderatorin Carola Ferstl war in Begleitung der Modedesignerin Nanna Kuckuck gekommen. Und bereit, angesichts der Beilage eine Ausnahme zu machen: „Ich trinke sonst nur Wasser…“

Mit dem Ball-Motto hatten die Organisatoren ein wenig auf den Erfolg der deutschen Olympiamannschaft gezockt: „Go for Gold.“ Unter den Ballgästen war der Berliner Eiskunstläufer Peter Liebers, der zum vom VBKI geförderten Team Sotschi gehörte und gerade von den Olympischen Spielen heimgekehrt ist. Er war über seine Platzierung glücklich: „Der achte Platz bedeutet für mich künftig mehr Förderung.“ Gekommen waren neben der aktuellen Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer auch frühere Senatsmitglieder wie Thilo Sarrazin und Peter Strieder.

Bestsellerautor Daniel Kehlmann schleppte sich kurz nach einer Operation am Weisheitszahn und vollgepumpt mit Schmerzmitteln zum Ball. Volker Wieprecht, bekannter Moderator von Radio Eins, schob sich durch das Ballgewimmel: „Ich bin zum ersten Mal hier. Ein Debütant.“ Auch Alfred Gertler war da. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass der Bundespresseball, dessen Cheforganisator er ist, das Hotel Interconti nach 15 Jahren verlässt und in die Abflughalle des Flughafens Tempelhof umzieht. Die Zahl seiner Freunde im Interconti dürfte sich schlagartig reduziert haben: „Ich habe eine Einladung, also komme ich.“ VBKI-Präsident Markus Voigt lieferte ein Bekenntnis zum Ort seiner Veranstaltung: „Wir fühlen uns hier im Interconti sehr wohl.“

Was treibt ein Hollywoodschauspieler wie Saul Rubinek bei einer Theaterpremiere in Berlin? Er schaut, was die hiesigen Kollegen aus seiner Vorlage machen. Bei der deutschsprachigen Erstaufführung seines Stücks „Schlechter Rat“ am Sonntagabend im Theater am Kurfürstendamm machte er mit seinem Taschentelefon stolz Fotos. Uwe Ochsenknecht, der die Hauptrolle spielt, umschreibt die Handlung so: „Es beginnt wie eine Soap Opera, dann wird es komödiantischer, schließlich wird's ein Drama. Und am Ende denkt man: Wow, dass es so endet!“ In einer der vorderen Reihen saßen seine Söhne. Jimi Blue: „Spannend, ich freue mich, dabei zu sein.“ Sein Bruder Wilson Gonzalez amüsierte sich: „Sehr unterhaltsam!“ Wer sich überzeugen will, ob das Urteil der Jungs verwandtschaftlich-milde oder realistisch geraten ist, kann sich davon noch bis zum 27. April selbst überzeugen (Tickettelefon 88 59 11 88).