Berlin - Im Corona-Jahr 2020 haben wohl vor allem leere Pizza-Kartons dafür gesorgt, dass Hausmüll-Tonnen in der Stadt voller waren als im Jahr zuvor. Bei den Berliner Wasserbetrieben registrierte man wegen Homeoffice und ausgefallener Urlaubsreisen ebenfalls einen gestiegenen Bedarf. Der Stromverbrauch in Berlin ging dagegen im vergangenen Jahr zurück. Exakt 543 Gigawattstunden betrug das Minus auf den Stromzählern der Stadt. Etwa so viel, wie mehr als 130.000 3-Personen-Haushalte im Jahr benötigen.

Das geht aus einer Analyse der Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin hervor, die das Stromverteilnetz in der Stadt betreibt. Zwar sei auch ein vermutlich Homeoffice-bedingter Anstieg des Stromverbrauchs in den Haushalten um 0,3 Prozent registriert worden, dagegen hätten aber geschlossene Restaurants, Kinos oder Museen den Strombedarf auf der sogenannten Mittel- und Niederspannungsebene gegenüber dem Vorjahr um sieben bis zwölf Prozent sinken lassen.

2020 war jeder Berliner 8,9 Minuten ohne Strom

Insgesamt verteilte die Stromnetz Berlin GmbH im vergangenen Jahr knapp 12.800 Gigawattstunden Strom an rund 2,4 Millionen Haushalts- und Gewerbekunden. Dafür betreibt sie ein insgesamt über 35.000 Kilometer langes Netz aus Leitungen und Kabeln sowie unter anderem 78 Umspannwerke. Damit ist es das größte Verteilnetz Deutschlands und darf wohl als zuverlässig bezeichnet werden. Jedenfalls sei 2020 statistisch jeder Berliner gerade 8,9 Minuten ohne Strom gewesen, und man müht sich, die Ausfallrate weiter zu senken. Denn das Unternehmen will in den kommenden Jahren stärker in die Strominfrastruktur investieren. „Wir planen für dieses Jahr mit Investitionen von 234 Millionen Euro“, so Stromnetz-Chef Thomas Schäfer. Im vorigen Jahr waren es noch knapp 40 Millionen Euro weniger.

Rund die Hälfte der zu investierenden Summe soll in den Erhalt sowie die Modernisierung des bestehenden Stromnetzes fließen. Weitere rund 80 Millionen Euro sind laut Schäfer für neue Infrastrukturen in der Stadt vorgesehen, etwa den Aufbau von Datenzentren oder Ladepunkten für Elektroautos. Bis 2025 sollen insgesamt 1,2 Milliarden Euro für Modernisierung, Ausbau und Zukunftsfähigkeit des Netzes ausgegeben werden. Der Stromnetz-Chef: „Wir gehören bereits seit Längerem zu den größten Investoren in der Spree-Metropole und werden auch auf lange Sicht hier sehr dynamisch agieren.“

Allerdings bittet Stromnetz dafür auch die Verbraucher zur Kasse. Denn Investitionen werden auch auf die Netzentgelte umgelegt. Daher prophezeit Schäfer weitere Steigerungen. Bereits zum laufenden Jahr hatte das Berliner Unternehmen die Netzentgelte von zuvor 5,85 auf 6,47 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Die Entgelte machen etwa ein Viertel des gesamten Strompreises für Verbraucher aus.

In jedem Fall seien die Investitionen laut Schäfer mit dem Land Berlin abgestimmt, das das Unternehmen Stromnetz Berlin von Vattenfall übernehmen will. „Wir haben die grundsätzliche Aussage bekommen, dass das, was wir in der Planung haben, vom Land Berlin so fortgesetzt wird“, sagte Schäfer. Erst im Oktober vorigen Jahres hatte der schwedische Stromkonzern Berlin nach langwierigen Rechtsstreits überraschend den Kauf des 1400-köpfigen Infrastruktur-Unternehmens angeboten. Nun verhandeln Senat und Vattenfall den Abgaben zufolge nach wie vor über die Konditionen der Übernahme. Der Verkaufspreis soll über einen Gutachter festgelegt werden. Zwischenzeitlich war dazu von bis zu zwei Milliarden Euro die Rede.