Wo einst Soldaten gedrillt wurden, wohnen jetzt Familien – die ehemalige Festungspionierschule der Deutschen Wehrmacht in der Zwieseler Straße, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Sowjetarmee genutzt wurde, wird seit 2010 zum Wohnpark Karlshorst umgebaut.

Die ersten der rund 15 im Jahr 1935 gebauten Gebäude sind bezogen. Schon ist in der Nähe ein weiteres Gelände abgesteckt. Dort soll bis 2016 die „Gartenstadt Karlshorst“ entstehen – mit 1 200 Wohnungen. Nicht nur in Karlshorst, schon immer eine beliebte Wohnlage, wird gebaut. Überall in Lichtenberg drehen sich Kräne. Der Bezirk wird immer beliebter, seit Wohnen in der City teuer geworden ist. „Zuzug gibt es in allen Wohnlagen“, sagt Bürgermeister Andreas Geisel (SPD). Auch die Plattenbauten in Friedrichsfelde und Neu-Hohenschönhausen seien längst wieder begehrt. Seit 2009 gibt es jährlich einen Bevölkerungszuwachs von 2000 Menschen, weil mehr Leute nach Lichtenberg kommen als wegziehen.

Weil Wohnungen inzwischen knapp werden, haben der Bezirk, die landeseigene Wohnungsgesellschaft Howoge und sieben weitere Genossenschaften und private Investoren ein bezirkliches „Bündnis für Wohnen“ unterzeichnet. „Das sieht nicht nur den Bau von rund 5000 Wohnungen in den nächsten fünf Jahren vor“, sagt Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU). „Es sollen auch preiswerte Wohnungen entstehen, damit der Mietanstieg begrenzt wird.“ Laut Nünthel will der Bezirk fast ausschließlich auf Standorte zurückgreifen, die schon einmal genutzt wurden – frühere Gewerbegebiete, einst militärisch genutzte Areale und ehemalige Wohnheime. Auch an Lückenschließungen werde gedacht. „Wir gehen nicht auf die grüne Wiese oder an die Kleingärten“, verspricht Nünthel.

Auf ehemaligen Gewerbe-Arealen sind bereits Wohnungen entstanden. So in der ehemaligen Zuckerwarenfabrik in der Konrad-Wolf-Straße in Hohenschönhausen oder im früheren Warenhaus am Anton-Saefkow-Platz. Auch das Q216 zwischen Bahnhof Lichtenberg und Frankfurter Allee, in das Ende November die ersten Bewohner eingezogen sind, war ein jahrelang leer stehendes Bürogebäude. Nun bietet es erschwingliche Ein-Zimmer-Appartements für Studenten. Die Investoren Ulrich & Lakomski wollen auch ein früheres Sportlerwohnheim in Alt-Hohenschönhausen umbauen und überlegen, einen Plattenbau am früheren Stasi-Gelände an der Ruschestraße zum Wohnhaus herzurichten.

„Das ehemalige Kinderkrankenhaus Lindenhof wird auch zum Wohnen umgenutzt, ebenso ein früheres Wohnheim an der Herzbergstraße/Allee der Kosmonauten“, sagt Stadtrat Nünthel. Besonders freue ihn, dass hinter dem Tierpark in Richtung Karlshorst ein Schandfleck verschwinden soll: Am Römerweg hat die Howoge ein leerstehendes ehemaliges Studentenheim gekauft. Bis zu 400 neue Wohnungen sollen dort entstehen.

Auch bisher ungewohnte Initiativen gibt es inzwischen im Bezirk. Nahe dem Rathaus Lichtenberg wollen Familien das Haus der alten Polizeiwache vom Liegenschaftsfonds kaufen und umbauen. In der Magdalenenstraße 19 hat eine Gruppe junger Leute den Siebengeschosser nach einer Ausschreibung gekauft und will in dem Plattenbau mit dem Mietshäuser-Syndikat ein Projekt für gemeinschaftliches Wohnen realisieren.