Bei Bootsbauer Lutz Berger (47) geht es um Handarbeit. 
Foto: camcop media/Andreas Klug

Berlin-LichtenbergLaufkundschaft hat Lutz Berger kaum. Wer sich in seiner Werkstatt auf dem Gelände der ehemaligen Fahrbereitschaft in Lichtenberg einfindet, kommt oft von weit her – und mit einem klaren Ziel: ein handgefertigtes Boot. Eins für die Ewigkeit, eins zum Vererben und ja, auch eins zum Angeben auf Seen und Flüssen.

Lutz Berger bietet Bootsbausätze an. Komplette Sätze aus Puzzleteilen aus Sapeli- und Okumé-Bootsbausperrholz, die jeder Hobbyhandwerker, der einen Hobel gerade halten kann, selber zusammenfügen kann, sagt Berger. Selbst das nötige Werkzeug sollte in einer halbwegs gut ausgestatteten Heimwerkstatt vorhanden sein: Stichsäge, Schraubklemmen, Schleifmaschine.

Workshops für Anfänger

Mit Herz und Hand entstehen binnen weniger Tage kleine Kunstwerke, die erst mit Draht zusammen genäht und dann mit einem Überzug aus Glasfaser und Epoxidharz versehen werden, So sind sie so gut wie unverwüstlich und wartungsfrei.

Für diejenigen, die beim Bauen gerne in Gesellschaft sind und sich das Projekt doch nicht in Eigenregie zutrauen, bietet Berger regelmäßig Workshops an: „Der jüngste Teilnehmer bisher war 19 Jahre alt, der älteste 80“, sagt Berger. Eheleute kommen, Menschen, denen zum runden Geburtstag eine größere Runde ein besonderes Geschenk machte. Oder Männer, die sich hier einen Traum verwirklichen wollen. Männer wie Alois Ebi (62) und Andreas Hofmann (49).

Die beiden Schweizer treffen sich in der Lichtenberger Werkstatt zum ersten Mal. Hofmann, ein Tierarzt, hat zwei Wochen gebraucht, um sich anzumelden. Ebi, der Förster, trägt sich schon seit zwei Jahren mit dem Vorhaben. Jetzt stehen sie hier und an Tag fünf des Kurses sind Stand-up-Paddleboard und Wanderkanu schon als solche zu erkennen.

Schon als Jugendlicher hat sich Andreas Hofmann sein eigenes Surfbrett gebaut. Sein handgemachtes Stand-up-Board will er im Rhein benutzen und auf den Schweizer Seen. „Die Saison beginnt im Mai, aber dieses Jahr bin ich bestimmt früher dran“, sagt er. Und kann es kaum abwarten sein Schmuckstück zu Wasser zu lassen.

Alois Ebi plant Touren mit seiner Frau, die schwedischen Seen, die Müritz will er unter den Kiel nehmen. „Das hier wird keine Badewanne“, sagt Ebi und streicht stolz über das Boot. Drei Wohnmobile habe er schon selber ausgebaut, aber das hier sei sein erstes Boot.

Bausätze: Lizenzprodukte und eigene Entwürfe

Die Kajaks, die Lutz Berger unter der Lizenz eines amerikanischen Herstellers im deutschsprachigen Raum anbietet, haben klingende Namen: Yura, Chesapeake, Shearwater oder Night Heron warten auf ihre Erbauer, ebenso Kymi River oder Repovesi. Das klingt nach Nebel überm See, nach Sonnenuntergang und Stille. 40 verschiedene Modelle und damit Outdoorträume hat Berger auf Lager. Darunter eigene Entwürfe, ein Großteil aber Lizenzprodukte verschiedener Designer. 90 Euro kostet der Bauplan, bei dem man selber fräsen muss, einen Bausatz aus dünnen Sperrholzplatten für ein Kajak gibt es ab 1200 Euro, 3000 Euro sind für ein großes Ruderboot fällig.

Lutz Berger, studierter Politologe und Ethnologe, war lange Zeit selber auf den Wassern und in der Natur Skandinaviens unterwegs. Als Wanderführer, als Wasserwanderer. Etwas mit den eigenen Händen schaffen, Natur und Handwerk verbinden – das wäre was, dachte er sich. Als er 2010 sein erstes Kajak mit einem Bausatz baute, platze der Knoten. Noch heute hängt das Kajak Numero eins an der Wand hoch oben unter der Decke der Lichtenberger Werkstatt.